Inhalt: Schifffahrtsstraße Jade
Die Jade ist eine tief in das Festland einschneidende Meeresbucht, die im Laufe der Zeit durch Sturmfluteinbrüche der Nordsee in die friesische Marschenküste entstanden ist. Namensgeber ist das nichtschiffbare Flüßchen Jade, das am südlichsten Punkt des Jadebusens durch das Wapeler Siel einmündet.Das Jadegebiet gliedert sich in Außenjade, Innenjade und Jadebusen. Als Nordgrenze der Innenjade gilt die Linie Schillig-Mellum. Das Jadefahrwasser teilt sich südlich von Wilhelmshaven in mehrere Rinnen, die in den Jadebusen führen und dort bei abnehmenden Tiefen und Breiten in Priele übergehen. Sie werden als Wattfahrwasser, insbesondere als Zufahrt nach Varel und Dangast genutzt.

Der mittlere Tidenhub in Wilhelmshaven beträgt 3,83 Meter (Mittel der Jahre 1992 bis 2001). Die infolge des großen Tidenhubs im Jadebusen bei Flut einströmenden großen Wassermengen (ca. 400 Mio m³) erzeugen bei ablaufendem Wasser einen starken Spülstrom, der eine wesentliche Voraussetzung für die Erhaltung der Fahrwassertiefe ist.
Im Bereich der Innenjade wurden seit etwa 1938 umfangreiche Eindeichungsmaßnahmen durchgeführt (Heppenser Groden 1938, Rüstersieler Groden 1965, Voslapper Groden 1975).

Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war Wilhelmshaven vor allem Marinehafen; der Hafenumschlag war nur sehr gering. Der Ausbau des Jadefahrwassers zum tiefsten deutschen Fahrwasser wurde ausgelöst durch den Beschluß der Nord-West-Oelleitung GmbH (NWO) von 1958, in Wilhelmshaven eine Tankerlöschbrücke als Kopfstation für eine Pipeline zu errichten. In der Folgezeit wurden drei weitere Brücken für den Umschlag von Kohle (Niedersachsenbrücke), Rohöl und Produkte einer Raffinerie (heute: Wilhelmshavener Raffinerie Gesellschaft, WRG) sowie für den Umschlag von chemischen Produkten (EVC) gebaut.

Die letzte Ausbauphase des Jadefahrwassers (sog. 18,5-m-Ausbau) endete 1974. Ergebnis war das heutige Jadefahrwasser für einlaufende 250.000-tdw-Tanker mit maximal 20 m Tiefgang in tideabhängiger Fahrt. Die Vorhaltung des tiefen Fahrwassers zwischen Jadeansteuerung und NWO-Brücke bedarf ständiger Unterhaltung durch Naßbaggerarbeiten, die der Bund als Hoheitsaufgabe nach Bundeswasserstraßengesetz durchführt.
Das Buhnensystem von Minsener Oog ist dabei ein wichtiger Fixpunkt im Rahmen
der Unterhaltungsaufgabe für die Schifffahrtsstraße Jade. Es wurde
zwischen 1909 und 1936 errichtet und ist ca. 10,5 km lang. Das tiefe Fahrwasser
der Jade wird durch die Strombauwerke Minsener Oog entscheidend stabilisiert.
Dadurch wird insbesondere erreicht, dass der Übergangsbereich von der Innenjade
zur Außenjade von starken Verlandungen durch wandernde Sandbänke,
sog. Platen, freigehalten wird. Die Strombauwerke tragen somit erheblich zur
Reduzierung der Kosten für die Erhaltung des Jadefahrwassers bei. Zwischen
1978 und 1980 wurden auf dem Südteil der Insel ca. 12 Mio. m³ Sand
aus der Fahrwasserunterhaltung aufgespült, seit dieser Zeit konnte sich
die künstliche Buhnenspinne Minsener Oog zu einem Naturreservat als bedeutendes
Rast-, Brut- und Rückzugsgebiet für Seevögel entwickeln.
Gemäß Bundeswasserstraßengesetz umfaßt die Unterhaltung
des Seeschifffahrtsweges Jade auch Arbeiten und Maßnahmen zur Sicherung
des Bestandes der Insel Wangerooge. Hierunter fallen die seewärtigen Strombaumaßnahmen;
die wattseitige Sicherung der Insel wird vom Land Niedersachsen wahrgenommen.
Historische Daten zur Entwicklung der Jade als Schifffahrtsstraße
| 1100 - 1600 | Entstehung des Jadebusens infolge Sturmfluten |
| 1623 | Graf Mansfeld plant einen Kriegshafen an der Jade |
| um 1680 | Dänenkönig Christian V. plant bei Varel den Bau der "Christiansburg" als Vorstufe für einen Kriegshafen |
| um 1800 | Zar Paul I. von Russland läßt die Möglichkeit des Baus eines Kriegshafens an der Südwestecke des Jadebusens bei Fährhuck prüfen. |
| um 1810 | Napoleon I. plant die Einrichtung eines Marinestützpunktes bei Fährhuck |
| 1853 | Jadevertrag: Preußen erwirbt Gebiet an der Jade von Oldenburg |
| 1869 | Namensgebung der Stadt Wilhelmshaven durch König Wilhelm I.von Preußen |
| 1870 | Inbetriebnahme der sog. II. Einfahrt (als erste gebaut), Stilllegung 1919 |
| 1886 | Inbetriebnahme der sog. I. Einfahrt (als zweite gebaut),1965 außer Betrieb |
| 1909 | Inbetriebnahme der III. Einfahrt, Sprengung 1949 |
| 1909 - 1931 | "Jadekorrektion": Vertiefung des Fahrwassers auf SKN - 10 unter der Leitung von Marine-Hafenbaudirektor Dr. hc. Wilhelm Krüger |
| 1942 | Inbetriebnahme IV. Einfahrt (Osthammer), Sprengung 1949,Wiederaufbau ab 1957, Wiederinbetriebnahme 1964 |
| 1958 | Fertigstellung der Tankerlöschbrücke der NWO |
| 1958 - 1963 | Ausbau des Jadefahrwassers auf SKN - 12 m |
| 1964 - 1967 | Ausbau des Jadefahrwassers auf SKN - 13 m |
| 1967 - 1969 | Ausbau des Jadefahrwassers auf SKN - 15 m |
| 1969 - 1971 | Ausbau des Jadefahrwassers auf SKN - 17 m |
| 1971 - 1976 | Ausbau des Jadefahrwassers auf SKN - 18,5 m |
| 1972 | Fertigstellung der Umschlagsanlage "Niedersachsenbrücke" |
| 1975 | Fertigstellung der Umschlagsanlage für die Raffinerie der Mobil Oil GmbH |
| 1980 | Fertigstellung der Umschlagsanlage für die ICI (chemische Produkte) |
| 1982 | Inbetriebnahme der Radarkette |
| 1985 - 1987 | Fahrwasserverlegung vor Hooksiel |
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Sachbereich 2, Gewässerkunde
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