Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning

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Inhalt: Das Eider-Sperrwerk

Vorgeschichte
Planung
Die Bauwerke im Einzelnen
Das Sielbauwerk
Die Sielsohle
Die Schifffahrtsschleuse
Der Eiderdamm
Zahlen, Daten, Fakten
Führungen

"Ihr sollt mich nicht vertreiben schrie Hauke Haien und bohrte seine Hacken fest in den Klei."

Dieses Zitat aus Theodor Storm`s Schimmelreiter spiegelt wohl, wie kein anderer Text den Kampf der Friesen gegen den "blanken Hans", die Naturgewalten der Nordsee wieder. Was mit Verbindungsdämmem von Warften begann, entwickelte sich bis heute zu einer durchgehenden Festlandsdeichlinie von etwa 300 km Länge. Ein Teil dieses Sturmflutschutzes ist die 1973 fertiggestellte Eiderabdämmung mit dem Eidersperrwerk.

Das Eider-Sperrwerk mit seinen fünf, jeweils 40 m breiten Sielöffnungen, wurde von 1967 bis 1973 im Mündungstrichter der Eider, etwa 15 km unterhalb von Tönning, errichtet. Es stellt neben dem Sturmflutschutz auch die Vorflut und die Schifffahrt auf der Eider sicher.

Vorgeschichte

Die größte Gefahr, die dem Küstenlandstrich seit Menschengedenken droht, sind Sturmfluten. Die erste, durch spärliche Angaben überhaupt überlieferte Sturmflut hat sich zwischen 120 und 115 vor unserer Zeitrechnung an der Westküste der jütischen bzw. cimbrischen Halbinsel zugetragen. Sie soll so schlimme Verluste zur Folge gehabt haben, daß die Cimbren und Teutonen ihre Heimat verließen.

Zuverlässige Nachrichten über Flutkatastrophen gibt es erst seit Anfang des 1. Jahrtausends. Die aus dieser Zeit überlieferten Daten lassen allerdings Zweifel zu, ob die ungewöhnlich hohe Anzahl von Opfer bei einer recht dünnen Besiedelung der Wahrheit entsprechen. Eine kurze Auflistung einzelner Sturmfluten aus drei Jahrhunderten soll hier aber doch auf die ungeheure Gewalt, die die Nordsee aufbieten kann, hinweisen.

Datum

Flut

Opfer

17. Feb. 1164
Julianflut
20.000 Opfer
16. Jan. 1219
Marcellusflut
36.000 Opfer
14. Dez. 1287
Luciaflut
50.000 Opfer
16. Jan. 1362
2. Marcellusflut, auch "Große Mandränke"
100.000 Opfer

In den 200 Jahren, die diese Liste umfaßt, kamen also über 200.000 Menschen zu Tode. Auch in den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu Sturmfluten mit ähnlich hohen Zahlen von Todesopfern.

Um das Jahr 1000 begann man, sich vor den Fluten zu schützen. Vorgänger der Deiche waren die dammartig angehobenen Verbindungswege zwischen den Wohnstätten. Es folgten einfache Umwallungen der Felder und schließlich, beginnend in Schleswig-Holstein zwischen 11. und 13. Jahrhundert, die ersten Seedeiche.

Am Anfang waren die Deiche noch niedrig. Die Deichkrone lag ungefähr zwei bis dreieinhalb Meter über dem normalen Hochwasser. Bei sehr schweren Sturmfluten strömte das Wasser darüber hinweg. Auch die Form der so genannten "Stackdeiche" war aus heutiger Sicht nicht zweckmäßig.

Durch Beobachtungen lernten die Küstenbewohner aber ständig mehr über das Zusammenwirken von Wind, Wellen und Deichform. So erhielten Seedeiche eine immer günstigere Form.

Heute darf die seeseitige Deich-Außenböschung in der Höhe des maßgebenden Sturmflutwasserstandes nicht steiler als 1:8, darunter 1:10 bis 1:12, darüber bis zur Deichkrone 1:4 angelegt werden.

Ein Schwachpunkt waren die bis weit in das Hinterland hereinreichenden, teilweise sehr alten Flußdeiche. In den tiedebeinflußten Küstengewässern war es nötig, die dahinterliegenden, oftmals außerordentlich fruchtbaren Niederungen durch eine eigene Deichlinie zu schützen. Dies verlängerte die zu schützende Küstenlinie aber um ein vielfaches. So ergab sich an der Eider zwischen der Mündung und der Abdämmung bei Nordfeld eine Flußdeichlänge von 60 km. Trotz eines hohen Unterhaltungsaufwandes konnte die Deichsicherheit nicht garantiert werden.

Planung

Die Vorarbeiten für den Bau der Eiderabdämmung begannen schon im Jahre 1957. Nach fünfjähriger Arbeit waren mehre Vorschläge erarbeitet worden, von denen sich die Abdämmung der Eider als die günstigste Lösung anbot.

In diesen Zeitraum fallen auch die ersten Beurteilungen der Trassenführung. Die Vorschläge variierten von einer Abdämmung direkt in Tönning bis zu einer Abdämmung in Höhe der Westküste von Eiderstedt. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile, wie finanzieller Aufwand und bautechnische Realisierbarkeit, ist die Variante Hundeknöll-Vollerwiek gewählt worden.

Anhand dieser Vorgaben wurden von der Bundesanstalt für Wasserbau zwei Modellversuche durchgeführt.

Mit dem 1. Modell, dem "Tiedemodell" (Maßstab der Längen: 1:250, -der Tiefen: 1:50) sollten ermittelt werden:

Am Hauptmodell (Unverzerrter Maßstab 1:66 2/3) wurden durchgeführt:

  • Anordnung und Ausbildung der Bauwerke im Einzelnen
  • Länge und Führung der Molen und Leitdämme
  • Anordnung und Ausbildung der Schleusenvorhäfen
  • Stärke und flächenmäßige Ausdehnung der Sohlbefestigung
  • Kolkuntersuchungen

Die hierbei gewonnenen Ergebnisse und die Kentnisse über die örtlichen Gegebenheiten waren die Grundlage für die endgültige Bauausführung.

Die Bauwerke im Einzelnen

Die Eiderabdämmung als ein einziges großes Bauwerk zu betrachten, würde den tatsächlichen Gegebenheiten nicht entsprechen. Vielmehr setzt sie sich aus mehreren Einzelbauwerken zusammen. Jedes für sich hat eigene Funktionen zu erfüllen und erst durch ein komplexes Zusammenspiel wird die eigentliche Aufgabe erfüllt.

Das Sielbauwerk

Das heute wohl augenfälligste Bauwerk ist das Sielbauwerk. Es besitzt 5 Öffnungen mit jeweils 40 m lichter Durchflußweite. Diese Öffnungen werden durch Pfeiler begrenzt und durch Spannbetonträger überbrückt.

Diese Träger, auch Wehrträger genannt, nehmen die äußeren Kräfte aus den Sielverschlüssen auf und leiten sie in die Widerlager der Pfeiler. Sie haben eine Länge von jeweils 42,80 m und sind von elliptischem Querschnitt. Im Inneren sind die Wehrträger als Straßentunnel ausgebaut.

Als Sielverschlüsse sind stählerne Segmenttore eingebaut worden, die sich drehbar gelagert auf die Wehrträger abstützen. Sie wurden sektionsweise auf dem Wasserweg angeliefert und erst auf der Baustelle montiert und konserviert.

Der Antrieb dieser 250 t schweren Bauteile, die eine Staufläche von 400 m2 besitzen, erfolgt ölhydraulisch. Das Heben und Senken ist in vier Geschwindigkeitsstufen zwischen 0,22 und 0,66 m/min möglich.

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SielbauwerkSielbauwerk
Das Sielbauwerk. Für eine Vergrößerung klicken Sie auf die Bilder.

Die Sielsohle

Die Sohle des Siels besteht aus einer 0,80 m dicken Stahlbetonplatte. Die im Vorfeld durchgeführten Modellversuche ergaben, daß daran eine mindestens 150 m lange starre Sohlensicherung anschließen muss. Der Aufbau hat einer maximale Strömungsgeschwindigkeit von 5 m/s standzuhalten. Um diese zu erreichen, wurde als Baumaterial schwedisches Granitgestein gewählt. Die auf dem Seeweg antransportierten Blöcke hatten ein Einzelgewicht von bis zu 5 t. Sie wurden auf der Baustelle mittels hydraulischer Spaltgeräte auf die nötige Einbaugröße zerkleinert.

Die Blöcke wurden auf einem abgestuften Kornfilter (Nylongewebe - 10 cm Grant 15/30 - 20 cm Grant 60/90) durch Hydraulikbagger dicht an dicht verlegt. Dabei mußten die Fugen so Eng gehalten werden, daß die Körnung 60 mm nicht ausgewaschen werden konnte.

Für den sicheren Übergang der starren Sohle in den freien Seeboden wurde eine bis zu 30 m breite flexible Sohle vorgesehen. Diese sollte das Bauwerk und die starre Sohle gegen rücklaufende Kolke schützen.

Die Schifffahrtsschleuse

Für den Schiffsverkehr ist nördlich des Siels eine Schiffahrtsschleuse angeordnet. Die schlanke Trogkonstruktion aus Stahlbeton ist biegesteif ausgebildet und hat eine nutzbare Kammerlänge von 75 m bei 14 m Breite. Die schiffbaren Wasserstände liegen zwischen NN -2,5 m und NN +3,5 m.

Die Schleuse ist mit fünf stählernen Stemmtorpaaren ausgerüstet, von denen drei gegen Flut und zwei gegen Ebbe gerichtet sind. Die beiden Fluttorpaare im Außenhaupt bieten die doppelte Deichsicherheit.

Über die Schleuse wird die Landesstraße mit einer Waagebalken-Klappbrücke geführt. Ihre Öffnungs- und Schließzeit beträgt 120 Sekunden.

Die Vorhäfen der Schleuse dienen nicht nur den auf Schleusung wartenden Schiffen als Liegeplätze, sondern auch den Schiffen des Wasser- und Schiffahrtsamt Tönning und der Tönninger Fischereiflotte als Liege- und Arbeitshafen.

Straßenbrücke

Die Straßenbrücke mit Schleusenanlage

Brücke mit Schleusenanlage

Der Eiderdamm

Mit den Arbeiten für den Eiderdamm-Nord wurde gleichzeitig mit den Beton- und Stahlarbeiten am Sperrwerk begonnen. Hierdurch konnte das Aushubmaterial der Baugruben zum Schütten der ersten Teilstrecke verwendet werden. Überwiegeng wurde das Material jedoch im Grundsaugverfahren aus 25 bis 30 m Tiefe gefördert. Unter NN +5,00 m wurde der Dammkörper im Spül-, oberhalb NN +5,00 m im Trockenverfahren erstellt. Der seeseitige, scharliegende Deichfuß ist mit 20.000 t vermörtelten Schüttsteinen gesichert.

Als letztes Bauwerk wurde der Eiderdamm-Süd gebaut. Hierbei galt es, das technische Problem des Verbaus des Purrenstrom zu lösen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt das Sperrwerk betriebsbereit war, nahmen weiterhin ca. 80% der Durchflußmenge ihren Weg durch diesen Priel.

Als Lösung wurde ein besonderes Verfahren gewählt. Zwei Pfahlwände im Abstand von 16 m und einem Lochanteil von 20% in den stählernen Verbautafeln bildeten einen Befüllungskörper. In diesen wurde mittels Spülrohren Spülsand eingebracht. Durch die gewählte Konstruktion wurde die Strömunggeschwindigkeit zwischen den Wänden so veringert, daß sich das Sandmaterial kontinuierlich absetzen konnte. Bei einer stündlichen Förderleistung von ungefähr 1000 m3 wurde im Sommer 1972 die letzte Lücke bis zur MThw-Linie in nur 6 Wochen geschlossen. Die Restarbeiten am Eiderdamm-Süd nahmen nur noch wenig Zeit in Anspruch, so daß im Herbst 1972 der Mündungstrichter endgültig abgeriegelt werden konnte.

Das Sperrwerk hat seither seine Qualität in über 60 zum Teil sehr schweren Sturmfluten unter Beweis gestellt, mehr als tausendfach die Vorflutregulierung erleichtert und die Schiffahrt auf der Eider in unverändertem Umfang ermöglicht

Zahlen, Daten, Fakten

Materialmengen zum Bau des Eider-Sperrwerks

48.000 m3 Beton

7.000 m3 Spannbeton

6.000 t Beton- und Spannstahl

15.800 lfd. m Stahlpfähle

18.000 m2 Spundwände

95.000 t Felsbruchstein

Informationen zur Schleusenbelegung des Eider-Sperrwekes gibt es hier.

Führungen

Führungen über das Eider-Sperrwerk bietet der Tourismusverein Wesselburen an. Informationen dazu finden Sie auf der Homepage des Tourismusverein Wesselburen und Umland e.V.