Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt

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Inhalt: Der Grundablass der Wehranlage in Schweinfurt

Blick auf den Grundabfluss stromaufwärts vom OW her gesehen; Maininsel Schweinfurt

Das erste Walzenwehr der Welt - Der Grundablass der Wehranlage in Schweinfurt
Ausgangssituation für den Umbau der gesamten Wehranlage bildeten die "Schweinfurter Abflussverhältnisse" in Bezug auf eine geregelte Eismassenabfuhr im Frühjahr. In den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war es zu zahlreichen schweren Eisabgängen mit plötzlicher Wasserspiegelhebung um bis zu 2,50 m infolge Eisstaus gekommen. Dies bedeutete größte Gefahr für Schweinfurt und Sennfeld.

Die Notwendigkeit einer "Vorrichtung, die rasch und sicher funktionieren soll, in ihrer Gesamtlänge frei von verwickelten Getrieben sein muss" ließ die Stadt Schweinfurt 1898 einen öffentlichen Wettbewerb ausrufen. Dieser fand jedoch nur geringe Beachtung. Die Idee einer beweglichen Verschlusswalze über die gesamte Länge wurde nach Einholung eines Sachverständigengutachtens vorerst abgelehnt. Zum damaligen Zeitpunkt galt ein "Verschluss einer so großen Öffnung als nach dem heutigen Stande der Technik unausführbar".

 

Blick vom OW auf die leicht gezogene Walze, welche unterströmt wird, indem sich das Wasser unter der Walze hindurch zieht; außerdem im Bild die rechte Stütze und die Wehrwalze

Da nun aber die Entwicklung in erster Linie den Wille zur Veränderung voraussetzt, gab man von Seiten der Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg nicht auf, wandte sich an die oberste Baubehörde im Staatsministerium des Inneren und stellte heraus, dass durch den bis dahin verfolgten Grundzug des Wehrumbaues den Schweinfurter Abflussverhältnissen in keiner Weise Rechnung getragen worden war. Im Übrigen sei eine "Submission wenig geeignet, eine so heikle Frage, die nur im Wege einer freien Entwicklung richtig und endgültig zu lösen ist" zu klären. Unerlässliche Vorbedingung für einen zu bauenden Verschluss war die rechtzeitige Hebung der Schütze, sobald die Bildung größerer Eismasse bevorstand, da dies während des Eisdranges selber zu spät wäre.

So kam es dann zur Ausführung des Vorschlages des ehemaligen Flussbauamtsrates Ludwig Freytag, eine 35 m langes bewegliches Überfallwehr zur Erzielung einer entsprechenden Stauhöhe und gleichzeitiger Eismassenabfuhr und unterhalb des Elefantenbuckels in der Nähe der Brücke zur Böckleinsinsel einen Grundablass zur erforderlichen späteren Öffnung und früheren Schließung einzubauen.

"Für die Schifffahrt aber erwächst der große Vorteil, dass sie von der Regulierung der Wehrverschlüsse unabhängig wird."

Nach kurzer - gleichsam darwinistischer - Entwicklung wurde die Idee geboren, den Verschluss als ausgesteifte Zylinderröhre auszubilden. Dieser Zylinder sollte dann auf ein und derselben geneigten Ebene in die Höhe gewalzt werden. Später kam man auf den Gedanken, dem Vollquerschnitt einen schnabelförmigen Ansatz anzufügen. Damit war festgelegt, dass nur die Walzenenden zylindrisch auszubilden seien, während der eigentliche Verschlusskörper eine beliebige den jeweiligen Verhältnissen entsprechende Form erhalten kann.

Für die erste Anwendung des Walzenverschlusses beim Schweinfurter Grundablass wurden die Grundzüge für künftige Walzenwehre festgelegt und auch sehr schwierige Untersuchungen durchgeführt, auf welche später immer wieder zurückgegriffen wurde. Nachdem sich die Schweinfurter Wehrverschlüsse bewährt hatten - die Stadt Schweinfurt empfand sich dabei zum Teil als "Karnickel für eine unerprobte Neuerung" - wurden sie weltweit zum Einsatz gebracht.

Die Verträge zur Fertigung, den Bau und die Montage der Schweinfurter Wehre bzw. Grundablässe wurden am 08.Juni 1901 aufgesetzt und unterzeichnet. Am 24. Mai 1902 erfolgte die Übergabe der seitlichen Grundablässe und schon ein Jahr später am 18. Dezember 1903 die der Wehre.

Erst 1963 - nach sechzigjährigem störungsfreiem Betrieb - wurden die Schweinfurter Walzenwehre zum größten Teil durch eine für die Großschifffahrt erforderliche Staustufe ersetzt. Der seitliche Antrieb des Grundablasses selbst - ein stets von Experten bewundertes historisches Denkmal - ist bis heute erhalten geblieben und wurde in den technischen Wanderweg der Stadt Schweinfurt integriert.