Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau

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Inhalt: Alte Levensauer Hochbrücke

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Abb.1: Ein historisches Bauwerk

Vorgeschichte

Mit dem Bau des damals genannten "Kaiser-Wilhelm-Kanals" wurden vorhandene Verkehrswege durchtrennt. Einer dieser Verkehrswege war die Bahnverbindung zwischen den Städten Kiel und Flensburg und ein weiterer die Straße zwischen Kiel und Eckernförde. Da diese Verbindungen nach der Fertigstellung des Kanals weiter verfügbar sein mussten, wurde zunächst entschieden, für den Bahnverkehr eine Drehbrücke zu errichten und den Straßen- und Fußgängerverkehr mit einer Fähre über die künstliche Wasserstraße zu befördern.

Kurz vor Baubeginn, entschloss sich die damalige Kanalkommission dann jedoch dafür, eine Hochbrücke zu errichten, die sowohl für den Bahn- und Straßenverkehr als auch für die Fußgänger nutzbar war. Einer der Gründe für diese Entscheidung war der Standort. Die geplante Drehbrücke befand sich im Zuge des alten Eiderkanals und hier gab es zu diesem Zeitpunkt bereits Schiffsverkehr.

Der Bau der Hochbrücke

Um die Brücke an dem neu gewählten Standort zu errichten, mussten zunächst die Dämme und Wegerampen hergestellt werden. Für die Anschüttung der Dämme konnte teilweise Aushub aus dem Kanalbett verwendet werden. Der eigentliche Baubeginn erfolgte dann mit der Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm II. am 24. Juni 1893. Zunächst wurden die Fundamente für die Pfeiler hergestellt. In Vorbereitung für die weiteren Arbeiten, wurden Hilfsgerüste aus Holz aufgestellt, die ein späteres Heben der Baumaterialien ermöglichten. Diese Gerüste bestanden aus einer Holz-Fachwerkkonstruktion und dienten zum Teil als Plattform für Kräne. Daher konnten die Widerlager so schnell errichtet werden, dass die Maurerarbeiten bereits im Dezember 1894 abgeschlossen werden konnten.

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Abb. 2 & 3: Die Hilfsgerüste zum Brückenbau

Schon im November 1893 hat man damit beginnen können, ein Hilfsgerüst quer über den Kanal zu bauen, der die Stahlkonstruktion bis zum Ende der Bauarbeiten stützen sollte. Damit die Schifffahrt möglichst wenig beeinträchtigt wird, wurde das Hilfsgerüst so konstruiert, dass während der Bauphase die Schiffe unter dem Gerüst durchfahren konnten. Im April 1894 wurden die Stahlteile angeliefert, so dass ab Mai mit dem Vernieten der Teile begonnen werden konnte. Im September 1894 waren die Stahlarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Nachdem ein Belastungstest durchgeführt und die Brücke abgenommen wurde, konnte Kaiser Wilhelm II. die Brücke am 3. Dezember 1894 feierlich eröffnen.

So ist die Hochbrücke von der Grundsteinlegung bis zur Eröffnung in einer Bauzeit von 1 ½ Jahren errichtet worden.

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Abb. 4 & 5: Das fertige Brückenbauwerk

Beschreibung des geplanten Bauwerkes

Ein weiterer Entscheidungsgrund für eine Hochbrücke war nicht zuletzt der, dass man zu dieser Zeit gerne beeindruckende Bauwerke errichtete. Es standen zu damaliger Zeit mehrere Brückenentwürfe zur Verfügung, man entschied sich hier für eine Bogenbrücke.

Die Widerlager waren aus Ziegelsteinen gemauerte Pfeiler, die durch ein Gewölbe miteinander verbunden waren. Sie hatten eine Gesamthöhe von etwa 70 m. Seitlich wurden die Widerlager an beiden Seiten mit einem Sandsteinwappen verziert.

Zwischen den Widerlagen überspannten zwei Stahlbögen den Nord-Ostsee-Kanal, die als Fachwerkbögen aufgebaut waren. Diese, durch Kreuzverbände miteinander verbundenen Stahlbögen überspannten von Widerlager zu Widerlager eine Strecke von 163,4 Meter. Zu dieser Zeit war sie die längste Bogenbrücke im damaligen Kaiserreich. Auf die Stahlbögen wurden je 20 Ständer platziert, die als Auflage für einen Längsträger dienten. Diese Längsträger wurden dann als oberer Abschluss durch Querriegel miteinander verbunden. Die Fahrbahn wurde abschließend mit Stangen an diese Querriegel gehängt.

Die Bauweise sollte verhindern, dass evtl. auftretende Materialspannungen im Brückenbauwerk einen Einfluss auf die Fahrbahn haben.

Die Brücke im Laufe der Zeit

Im Jahr 1939 wurde im Zuge einer geplanten Kanalerweiterung, ein Ersatzneubau der Brücke geplant. Durch den Kriegsbeginn wurden die Erweiterungspläne verworfen und die Levensauer Brücke blieb bestehen.

Die Brücke war so geplant worden, dass sie nicht vom Straßenverkehr und der Bahn gleichzeitig genutzt werden konnte. Daher befanden sich Schranken im Bereich der Straße, die geschlossen wurden, wenn ein Zug die Brücke überfuhr. Später wurde ein Geländer zwischen Straße und Bahngleis angebracht, so dass die Schranken entfallen konnten und eine gleichzeitige Nutzung möglich war. Jedoch war die Fahrbahn lediglich 4,50 m breit. Dadurch konnten sich zwei LKW nicht auf der Brücke begegnen. Auch der Gehweg hatte lediglich eine Breite von 90 cm. Dies hatte zur Folge, dass Fußgänger die Brücke nur hintereinander überqueren konnten.

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Abb. 6 & 7: Der Verkehr auf der damaligen Brücke

Der zunehmende Verkehr und der Zustand des Fahrbahnbelages machte die Nutzung der Brücke im Laufe der Jahre immer unbequemer. Die ersten Überlegungen zur Verbesserung der Brücke wurden 1949 angestellt. Zum einen sollte die Straße verbreitert und zum anderen der hölzerne Fahrbahnbelag ersetzt werden. Um die Brücke der Verkehrssituation anzupassen, fiel die Entscheidung, die Brücke komplett umzubauen.

Der Brückenumbau

Der Umbau der Brücke wurde 1954 durchgeführt. Um eine Verbreiterung der Fahrbahn zu verwirklichen, musste die gesamte Brückenkonstruktion neu geplant werden. Man löste sich von der ursprünglichen Hängekonstruktion der Fahrbahn. Die Fahrbahn wurde direkt auf Ständer abgestützt, die auf den Bögen befestigt wurden. Der Gehweg wurde am westlichen Bogen entlang der Außenseite geführt. Durch die weggefallene Hängekonstruktion und die Verlegung des Gehweges, konnte die volle Breite zwischen den Bögen für Straße und Bahngleis ausgenutzt werden.

Durch das Entfallen der Hängekonstruktion konnte der gesamte Stahlüberbau entfernt werden. Von der ursprünglichen Bauweise blieben nur noch die Bögen sowie die Ständer zur Aufnahme der Fahrbahn übrig.

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Abb. 8 & 9: Der Rückbau der Stahlkonstruktion

Die neue Fahrbahn war viel breiter als die alten Torbögen an den Widerlagern. Daher wurden die Torbögen samt Türmen komplett entfernt.

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Abb.10 & 11: Der Rückbau der Türme

Während dieser Umbauarbeiten, wurde die Brücke für den Verkehr gesperrt. Die Bahn stellte während der Umbauphase auf Busverkehr um und der Straßenverkehr wurde mit einer Fähre übergesetzt. Der Schiffsverkehr auf dem Kanal wurde nicht behindert, da unter der Brücke Netze gespannt wurden, die das Herunterfallen von Gegenständen verhinderte. Die gesamte Umbauphase dauerte mehrere Monate. Im August 1954 wurde die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben.

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Abb. 12: Die Brücke nach dem Umbau

Die "alte" Levensauer Hochbrücke heute

Bis in die Achtziger Jahre befand sich die Brücke im Streckenverlauf der B76. Durch das immer weiter steigende Verkehrsaufkommen wurde eine neue Streckenführung der Bundesstraße geplant. In den Jahren 1980 - 1984 wurde die "neue" Levensauer Hochbrücke errichtet, die sich etwa 100 m östlich der alten befindet.

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Abb. 13: Ein Kreuzfahrtschiff passiert die alte Levensauer Hochbrücke

Als weitere Besonderheit seien hier noch die Fledermäuse erwähnt. Die Widerlager der alten Brücke dienen seit vielen Jahren Fledermäusen als Winterquartier. Jedes Jahr überwintern geschätzt ca. 5000 große Abendsegler in den Brückenpfeilern der Levensauer Hochbrücke. Derzeitige Untersuchungen sollen genauere Klarheit schaffen.