Inhalt: Grundinstandsetzung der Tirpitzmole in Kiel
Die Tirpitzmole bildet zusammen mit der gegenüberliegenden Scheermole die Begrenzung des Tirpitzhafens zur Kieler Förde. An der Tirpitzmole liegen unterschiedliche Fahrzeuge der Bundesmarine, worunter das bekannteste das Segelschulschiff "Gorch Fock" ist. Die Tirpitzmole hat eine Gesamtlänge von ca. 500 m. In ihrer ursprünglichen Gestalt hatte sie eine Breite von 8 m. Sie wurde von 1935 bis 1939 als Fangedammkonstruktion gebaut. Die damalige Ausführung erfolgte aus gegenseitig verankerten Spundwänden, wobei innerhalb der Konstruktion teilweise Vertikallasten durch eine Holzpfahlgründung aufgenommen wurden. Die Holzpfahlgründung war nach dem Durchrosten der Spundwände durch Bohrmuschelbefall (Teredo navalis) erheblich geschädigt. Oberhalb des Fangedammes war im Anschluss an die landseitige Versorgungsinfrastruktur ein Versorgungskanal aus Stahlbeton angeordnet. Die obere Versteifung des Fangedammes, die zugleich die befahrbare Molenoberfläche trug, bestand aus einer Stahlbetonplatte. Dieser Stahlbeton war durch Alkali- und Chloridbildung geschädigt, die Tragfähigkeit für die zukünftigen Lasten nicht mehr ausreichend. Insgesamt war das vorhandene Bauwerk nicht in der Lage, die Lasten aus den gestiegenen Nutzeranforderungen sicher aufzunehmen.
Abb. 1 Übersicht Tirpitzhafen Kiel
Der Verwaltungsentwurf sah vor, das Bauwerk auf 16 m zu verbreitern. Hierzu sollten auf beiden Seiten der Konstruktion betongefüllte Stahlrohre mit einem Durchmesser von 508 mm im Achsabstand von 3,36 m als Lot- oder Schrägpfähle eingebracht werden. Diese Pfahlkonstruktion dient zur Aufnahme der Lasten aus dem neuen Molenüberbau, der einen Kanal für die Ver- und Entsorgungsleitungen enthält. Die Außenseiten der Mole werden aus einer gemischten Spundwand aus Tragbohlen PSP 600 und Füllbohlen PZI 612 gebildet. Der Raum zwischen neuer und alter Molenwand wird mit Baggergut verfüllt.
Zur Ausführung kam ein Nebenangebot, bei dem wie im Verwaltungsentwurf das Altbauwerk überbrückt wird. Anstatt der symmetrischen, zweiseitigen Verbreiterung sieht das Nebenangebot eine einseitige Verbreiterung vor. Hierdurch entfielen Rammarbeiten. Auf der Seeseite konnten die Lasten aus dem Molenüberbau durch eine neue Spundwand in den Baugrund abgeleitet werden. Auf der Hafenseite werden die Hauptlasten aus dem Überbau durch eine tiefgegründete Rohrpfahlreihe mit einer Pfahllänge von 29 m in den Baugrund abgeleitet. Der Pfahldurchmesser beträgt 610 mm . Die erforderliche Nutzungsbreite der Mole von 16 m wird bei dem Nebenangebot eingehalten.
Abb. 2 Ausgeführter Querschnitt Tirpitzmole
Die Außenseiten der Mole wurden als gemischte Spundwand mit Tragbohlen Profil HZ 575 und Füllbohlen Profil AZ 26 hergestellt. Die durchschnittlich 25 m langen Tragbohlen wurden vorweg gerammt. Die Füllbohlen wurden bis zum anstehenden Geschiebemergel-Beckenton eingerüttelt und dann weiter mit einem freireitenden Rammbär gerammt. Die Spundwand ist wasserseitig mit einem Korrosionsschutzanstrich der Dicke 525 my bis auf die Tiefe NN-11 m , das entspricht 50 cm unter der künftigen Hafensohle, geschützt. Der innere Korrosionsschutz der Spundwand wird durch eingehängte und ausbetonierte Betonfertigteile erreicht.
Abb. 3 Gesamtansicht der Rammarbeiten
Abb. 4 Hafenseitige Tragpfähle
Die Verfüllung des Raumes zwischen der alten und der neuen Molenwand erfolgte mit Seesand, der aus einer Vertiefungsbaggerung der Dockgrube im Marinearsenalhafen in Kiel stammt. Zur Erhöhung der Tragfähigkeit wurden die oberen 2,0 m mit Sand im Trockeneinbau verfüllt.
Aus der Verfüllung resultiert ein Erddruck, der durch eine Verankerung aufgenommen wird. Die Verankerung erfolgt mit 4-Zoll Vollstabankern, die mit gelenkigem Anschluss an die durchlaufende Doppelgurtung an der neuen Molenwand angeschlossen ist. Im Bereich des Altbauwerkes sind die Anker durch Kernbohrungen geführt.
Abb. 5 Ankeranschluss und innerer Korrosionsschutz der neuen Molenwand durch eingehängte und ausbetonierte Betonfertigteile
Abb. 6 Verfüllung des Raumes zwischen alter und neuer Molenwand
Der Molenüberbau wurde aus 17 Blöcken der Abmessung 16,00 m x 30,40 m in Stahlbeton hergestellt. Die Blöcke lagern auf Stahlbetonholmen, die in Ortbeton ausgeführt wurden und jeweils den Holm der Molenwände bzw. der inneren Rohrpfahlgründung bilden. Der Deckenaufbau besteht aus Fertigteilbalken mit aufliegenden Fertigteildecken. Auf den Fertigteildecken wurde die Ortbetondecke betoniert. Den oberen Abschluss des Molenüberbaues bildet eine 4 cm starke Gussasphaltschicht.
Abb. 7 Ortbetonarbeiten zur Herstellung des Rohrholmes
Abb. 8 Fertigteilbalken mit Anschlussbewehrung, Poller mit Bewehrung des Pollerfundamentes
Abb. 9 Bewehrungsarbeiten für die Ortbetondecke am Molenkopf
Die Mole wurde mit den erforderlichen Fendern, Reibehölzern, Leitern, Pollern, Luken, Ver- und Entsorgungsanschlüssen, Absturzsicherungen, Lichtmasten, Rettungsmitteln, Verkehrsschildern und Sanitäranlagen ausgerüstet. Am Molenkopf wurde eine neues Wach- und Signalhaus errichtet. Des weiteren enthält der Molenkörper einen Sanitärblock und einen Technikraum.
Abb. 10 Einbau der Reibehölzer
Die bisherigen Ausgaben für die Maßnahme betragen ca. 19,0 Millionen Euro. Als weitere Maßnahme steht eine Baggerung und der Einbau einer Kolksicherung für die Liegeplätze bevor.
Die weiteren Ausgaben werden sich auf ca. 2,0 Millionen Euro belaufen.