Inhalt: Sein Lebensabend
Mit der Fertigstellung der Unterweser-Korrektion war das Lebenswerk von Franzius getan. Ihr Erfolg brachte ihm ein solches Ansehen im In- und Auslande, dass sein Rat überall gefragt wurde. Franzius äußerte sich zum Ausbau von Helgoland und gab Gutachten für viele deutsche Städte ab, die Häfen an Binnen- und Seewasserstraßen bauen oder erweitern wollten. Die Notwendigkeit des Ausbaus von Binnenwasserstraßen, die für Bremen von Bedeutung werden sollten, hat er schon frühzeitig erkannt, daher seine Pläne zur Kanalisierung der Mittelweser, zum Mittelland-Kanal und zum Hunte-Ems-Kanal. Zusammen mit seinem Bruder Georg äußerte er sich zur Linienführung des von dem Reeder Dahlström betriebenen Plans zum Bau eines Kanals zwischen Nord- und Ostsee (des heutigen Nord-Ostsee-Kanals), zur Regulierung der Donau am Eisernen Tor und zur Anlage von Häfen auf dem Balkan und in der Türkei. Er war Gutachter für die Jade, mehrfach auf Einladung der belgischen Regierung für die Schelde und auf Bitten der chinesischen Regierung für den Jangtsekiang und den Whang-pu. Natürlich galt sein Interesse noch bis zuletzt den bremischen Häfen. Seine schriftstellerische Tätigkeit stand dem nicht nach. Das "Handbuch für Ingenieurwissenschaften", bei dem er Mitbegründer und Mitherausgeber war, und das "Handbuch für Baukunde" sind durch seine Beiträge wesentlich bereichert worden. Seine zahlreichen Aufsätze in Fachzeitschriften sind auch heute noch lesenswert - schon allein deshalb, weil sie von einer scharfen Naturbeobachtung zeugen.
Das Denkmal zu Ehren von Ludwig Franzius an der großen Weser in der Nähe des heutigen Wasser- und Schifffahrtsamtes.
Es wurde 1962 aufgestellt.
Auf nationalen und internationalen Fachkongressen spielte Franzius eine hervorragende Rolle. Franzius hat sich seine künstlerischen Neigungen und Fähigkeiten bis ins Alter bewahrt. Er zeichnete, malte und modellierte über das dilettantische hinaus, seine Gedichte waren in der Familie und in der Gesellschaft beliebt. Der heitere Lebensabend, den er erhofft hatte, fand ein vorzeitiges Ende. Im Frühjahr 1902 traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Seine geliebte Frau Marie, mit der er 43 Jahre lang eine glückliche Ehe geführt hatte, starb plötzlich. Er hat sie nicht lange überlebt und starb am 23. Juni 1903 an einer Erkältung, die er, durch ein Herzleiden geschwächt, nicht überwinden konnte. Das Ansehen von Franzius war mit zunehmendem Erfolg so gewachsen, dass er nach dem Urteil von Zeitgenossen der "populärste Mann von Bremen" war. Zur Feier des 25-jährigen Dienstjubiläums hatte ihn die bremische Bürgerschaft mit einem Fackelzug geehrt. Zu seinem fünften Todestag wurde das von Schumacher entworfene Denkmal an der Großen Weserbrücke enthüllt, das leider dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Um das Gedenken an Franzius zu bewahren, wurde 1962 in unmittelbarer Nähe seines im Kriege zerstörten Wohnhauses in der Werderstraße und nahe des heutigen Wasser- und Schifffahrtsamtes eine Porträtbüste aufgestellt mit der Inschrift
"Ludwig Franzius
1832 - 1903
eröffnete der Weltschiffahrt
den Weg zur Stadt Bremen"
Es ist bemerkenswert, dass der Name Franzius seit fast zwei Jahrhunderten mit dem Wasserbau verbunden ist. Der oben erwähnte 10 Jahre jüngere Bruder Georg gelangte in der Marinebauverwaltung zu hohem Ansehen: er starb 1914 in Kiel als Geheimer Admiralitätsrat und Marinebaudirektor. Sein Sohn Georg war zuletzt Präsident der Oderstrombaudirektion in Breslau und starb 1962 in Bad Harzburg. Dessen Sohn Eberhard ist zwar nicht Wasserbauer, aber bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung tätig, und zwar als Jurist in Würzburg. Sieben Jahre jünger als Ludwig Franzius war der Bruder August, dessen Sohn Otto Franzius ord. Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Wasser-, Erd- und Grundbau an der Technischen Hochschule Hannover war. Er ist Verfasser eines bekannten Lehrbuches für den Wasserbau und sein Name lebt in dem von ihm geschaffenen, später nach ihm benannten und inzwischen weltbekannt gewordenen "Franzius Institut, Versuchsanstalt für Grundbau und Wasserbau" fort. Ein direkter Nachkomme von Ludwig Franzius ist der Urenkel Dr.-Ing. Ludwig Franzius war Vorstand des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stuttgart.
Es gibt noch einen Namensträger, der im Wasserbau tätig ist: Das ist der große Saugbagger "Ludwig Franzius", der dafür sorgt, dass die Schiffe, die auf der Weser fahren, immer wenigstens drei Fuß Wasser unter dem Kiel haben - so wie es das Lebensziel von Ludwig Franzius war.