Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde

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Inhalt: Neubau eines Schlauchwehres in Strasen (Müritz- Havel-Wasserstraße)

Dipl.-Ing Hendrik Reinhardt, August 2013

Von 2011 bis 2013 wurde in Strasen, an der Müritz-Havel-Wasserstraße bei km 2,80 gelegen, die alte Wehranlage durch einen Neubau ersetzt. Das neue Wehr ist die 4. Schlauchwehranlage im Bereich der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und gleichzeitig das erste Schlauchwehr für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde und im Land Mecklenburg-Vorpommern. Die anderen Anlagen der WSV stehen im Bereich des WSA Brandenburg in Bahnitz am Unterlauf der Havel und im Bereich des WSA Verden in Bannetze und Marklendorf an der Aller.

Das Schlauchwehr in Strasen ersetzt eine 1904 gebaute Wehranlage am gleichen Standort. Während das alte Wehr Brauchwasser für die dortigen Mühlen bereitstellen sollte, wird das neue Wehr unter wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben. Es soll zum einen dafür sorgen, dass der Wasserspiegel der oberhalb liegenden Seen möglichst konstant ist, zum anderen aber auch dafür, dass Hochwasser gefahrlos zur nächsten Stauhaltung weitergeleitet wird. Gleichzeitig soll Speisewasser für die Havel-Oder-Wasserstraße bereitgestellt werden.

alte Wehranlage
Die alte Wehranlage

Planungsphase

Dem Neubau der Wehranlage ging ein mehrjähriger Planungs- und Abstimmungsprozess voraus. Hier wurden Standortvarianten und auch verschiedene Verschlusstypen untersucht und gegeneinander abgewogen. Randbedingungen waren hier die relativ engen Verhältnisse vor Ort, Einflüsse auf die Nachbarbebauung, die hydrologischen Verhältnisse sowie Bau- und Betriebskosten. Auch Einflüsse auf Natur und Landschaftsbild, Fragen der Fernsteuerung sowie der Arbeitssicherheit spielten eine Rolle.

Nach Auswertung aller Randbedingungen wurde beschlossen, ein Schlauchwehr am alten Wehrstandort zu errichten. Das Schlauchwehr bietet den Vorteil, eine recht simple Konstruktion darzustellen. Gleichzeitig fügt es sich gut in die Landschaft ein und ist problemlos zu automatisieren. Und nicht zuletzt versprach es geringere Kosten sowohl beim Bau der Anlage als auch bei deren Betrieb über die nächsten Jahrzehnte im Vergleich zu anderen typischen Wehrkonstruktionen.

Das Prinzip des Schlauchwehres besteht darin, dass ein mit Wasser gefüllter Schlauch aus einer starken Gummi-Gewebe-Membran die Funktion eines herkömmlichen Wehrverschlusse wie z.B. stählerner Schütztafeln oder einer Fischbauchklappe übernimmt. Die Regulierung des Wasserstandes erfolgt über das dosierte Entleeren oder Befüllen des Schlauches mit Wasser.

Bauausführung

Die Baumaßnahme wurde im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung an die EUROVIA Verkehrsbau Union GmbH Niederlassung Lindow vergeben.

Erste Arbeiten fanden Ende November 2011 statt, ab Dezember wurde das Umleitungsgerinne gebaut und anschließend der Wehrgraben verfüllt und dadurch eine Arbeitsebene geschaffen, von der aus das alte Wehr abgerissen werden konnte.

Abrissarbeiten
Abriss des alten Wehres
Einbringen der Spundwände
Einbringen der Spundwände


Eine kritische Situation trat auf, als parallel zum Vorbohren der Rammtrasse für die Baugrube, Risse im direkt neben dem Neubau befindlichen "Hotel zum Löwen" auftraten. Es wurde zunächst ein Baustop verhängt, da die statische Situation des Hotels unklar war.

Es zeigte sich jedoch schnell, dass die Standsicherheit des Hotels nicht gefährdet war. Zur Vermeidung weiterer Schäden wurden aber Sicherungsmaßnahmen am Hotel durchgeführt und der Bauablauf optimiert. Nach Durchführung der Sofortmaßnahmen und dem Abklingen der Setzungen wurden die Schäden am Hotel aufgenommen und ein Sanierungskonzept erstellt. Die Sanierung wurde durch den Hoteleigentümer durchgeführt und konnte parallel zur Fertigstellung des Wehrs abgeschlossen werden. Die Sanierungskosten trägt zu ca. 90% der Bund. Der verbliebene Anteil wird durch den Hotelier getragen, da ein Teil der Sanierungskosten auf Vorschäden aus der Bausubstanz zurückzuführen waren.

Nachdem die Spundwand für die Baugrube des Wehres im April 2012 fertig gestellt war, konnte mit dem Aushub der Baugrube begonnen werden. Parallel dazu wurde ein Setzungsmonitoring am "Hotel zum Löwen" und ein Grundwassermonitoring rund um die Baugrube betrieben. Die bereits vor den ersten Bauarbeiten begonnenen Schwingungsuntersuchungen wurden fortgeführt.

Ab Juli 2012 folgten die Stahlbetonarbeiten und das neue Wehr wurde langsam erkennbar. Dabei wurden in mehreren Betonierabschnitten die Sohle, Wehrrücken und Wehrtisch und schließlich die Wände des Steuerschachtes errichtet. Ein Betonierabschnitt umfasste Bewehrungs- und Schalungseinbau, Betoniervorgang und die Nachbehandlung des Betons.

Montage des Schlauchverschlusses
Montage des Schlauchverschlusses
erstes Wasser läuft über den Schlauch
Das erste Wasser läuft über den Schlauch


Der als Verschlussorgan gewählte Schlauch konnte, nachdem die Arbeiten am Massivbauwerk abgeschlossen waren, im Oktober 2012 eingebaut werden. Parallel dazu wurden die Flügelwände im Ober- und Unterwasser errichtet.

Im Januar 2013 war es schließlich so weit, dass das Wehr geflutet und im probeweise in Betrieb genommen werden konnte. Siehe dazu auch die Pressemitteilung des WSA Eberswalde vom 07.02.2013.

Was noch folgte, waren umfangreiche Arbeiten rund um das ab jetzt manuell betriebene Wehr. Zunächst musste der Umflutgraben zurück gebaut werden und anschließend die Ufer im Ober- und Unterwasser angeglichen werden. Parallel dazu wurde die Steuerungselektronik installiert und eingemessen.

Letzte Arbeiten waren dann Rückbau der gesamten Baustelleneinrichtung, Geländeprofilierung und Garten- und Landschaftsbau, welche im Mai 2013 abgeschlossen wurden.

Mit der VOB-Abnahme am 08. Mai 2013 wurde die Baumaßnahme am Schlauchwehr in Strasen offiziell beendet und die Anlage an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde übergeben.

Blick auf die neue Anlage
Blick auf die neue Anlage

Zusammenfassung

In Strasen wurde am Standort des alten Wehres ein Ersatzneubau der kompletten Wehranlage durchgeführt. Es wurde eine über 100 Jahre alte Anlage durch einen Neubau ersetzt. Die neue Anlage wurde für eine Gesamtlebensdauer von 80 Jahren ausgelegt.

Als Verschlusselement für das Wehr wurde ein wassergefüllter Schlauchverschluss eingebaut. Mit der Fertigstellung der neuen Anlage entfällt das fast tägliche manuelle Stellen des Wehrverschlusses, die Anlage kann jetzt über die Überwachungszentrale in Zehdenick ferngesteuert werden.

Die Bauzeit für die Anlage betrug ca. eineinhalb Jahre. Dem ging eine längere, intensive Planungsphase voraus. Die Gesamtausgaben für den Wehrneubau, einschließlich Planungs- und Vorbereitungskosten, betragen 2,85 Mio. EURO