Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde

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Inhalt: Schleuse Schwedt

mit elektrotechnischer Anpassung und Einbau von je einer Luftsprudelanlage in das Außen- und Binnenhaupt (Bauzeit: 03.09.-30.11.2001)

Blick in die trockengelegte Schleuse

Ein Blick in die trockengelegte Schleuse (Aufnahme aus dem Oktober 2001)

1. Lagebeschreibung

Die Schleuse Schwedt befindet sich östlich der Ortslage Schwedt bei Kanal-km 0,43 in der Schwedter Querfahrt, zwischen der Oder und der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße.

Schleusenkammer mit Blickrichtung zum Außenhaupt
Schleusenkammer mit Blickrichtung zum Außenhaupt
Ansicht vom Außenhaupt der Schleuse
Ansicht vom Außenhaupt der Schleuse

2. Technische Daten und Kurzbeschreibung der antriebstechnischen Entwicklung

Die Schleuse Schwedt wurde 1923/24 erbaut. Die nutzbaren Kammerabmessungen betragen 10,00 m Breite und 61,50 m Länge. Im Ober- und Unterhaupt sind stählerne, genietete Stemmtore montiert. Zum Füllen und Entleeren befindet sich in jedem Torflügel ein Klappschütz.

Ursprünglich war die Schleuse für die Selbstbedienung durch die Schiffer konzipiert. Die Bewegung der Stemmtore und Klappschütze erfolgte von Hand durch Kurbelantrieb.

1968 wurden die handbetriebenen Tor- und Schützwinden gegen Winden mit einem elektrischen Antrieb ausgetauscht. Die Torwinden waren für eine Zugkraft von 20 kN und die Schützwinden für 10 kN ausgelegt. Das Verbindungselement zwischen Antrieb und Antriebskörper ist die Tor- bzw. Schützstange, die als Zahnstockleiter ausgeführt waren. Aufgrund des Verschleißes und mangelnder Funktionstüchtigkeit sind die Winden nach 26-jährigem Betrieb durch neue Antriebe ersetzt worden

Die neuen Antriebe wurden 1994 als Prototyp eingebaut. Sie kamen aus der Hebetechnik und wurden technisch entsprechend den gültigen DIN-Vorschriften überarbeitet. Neue Zahnstangen ersetzten die alten Tor- und Schützstangen. Die Bedienung der Antriebe erfolgt noch heute über eine speicherprogrammierbare Steuerung vom zentralen Steuerstand aus.

Im rauen Schleusenbetrieb haben sich die Antriebe jedoch nicht bewährt. Wegen zahlreichen Störungen musste die Schleuse mehrfach gesperrt werden.

3. Erneuerung der Antriebe mit elektrotechnischer Anpassung

Die Antriebe der Schleuse Schwedt sollen im Zeitraum vom 03.09.-30.11.2001 durch Elektrohubzylinder ersetzt werden. Elektrohubzylinder arbeiten sehr zuverlässig. Im WSA Eberswalde werden die Schleusen Rosenbeck seit 1998 und die Schleuse Himmelpfort seit 1999 mit Elektrohubzylindern störungsfrei betrieben.

Elektrohubzylinder sind elektromechanische, lineare Antriebe. Sie bestehen aus einer Spindel mit Laufmutter, die über ein Übersetzungsgetriebe von einem Elektromotor angetrieben wird. Die Spindel setzt die Drehbewegung in eine lineare Bewegung um. Während der Drehbewegung der Spindel wird die Kolbenstange durch die mit der Last verbundene Laufmutter ein- bzw. ausgefahren.

Skizze eines Elektrohubzylinders

1. Motor
2. Kupplung
3. Lagerung
4. Spindel
5. Laufmutter
6. Gehäuserohr
7. Kolbenstange mit Gelenkkopf
8. Kolbenstangenführung


Auszug aus dem Prospekt der Fa. ADE

Die alten Antriebe der Schleuse Schwedt werden fachgerecht demontiert und gegen Nachweis entsorgt. Die neuen Elektrohubzylinder für die Stemmtore sollen in neu zu errichtenden Zylinderkanälen unterflur kardanisch gelagert werden. Der Anschluss zum Tor wird über eine Kolbenstange hergestellt.

Auf den Torlaufstegen sind die Hubzylinder für die Schütze in einem Schwenklager zu montieren. Über die Kolbenstange und die vorhandene Schützstangenverlängerung erfolgt die Verbindung mit dem Klappschütz.

Die vorhandene speicherprogrammierbare Steuerung muss an die neuen Antriebe angepasst werden.

Elektrohubzylinder als Stemmtorantrieb
Elektrohubzylinder als Stemmtorantrieb unterflur gelagert am Beispiel der Schleuse Rosenbeck

Elektrohubzylinder als Schützantrieb
Elektrohubzylinder als Schützantrieb am Beispiel der Schleuse Rosenbeck

4. Einbau von Luftsprudelanlagen

Als Eingangsschleuse zur Oder muss die Schleuse Schwedt auch in den Wintermonaten, insbesondere bei einsetzendem Tauwetter für die Durchfahrt der Eisbrecher betriebsbereit sein. Das Eis muss auf der Oder flussaufwärts gebrochen werden, damit das Wasser abfließen kann. Können die Eisbrecher die Schleuse zum Eisaufbruch nicht passieren, kann es zu Eisversetzungen und zu verheerenden Überflutungen kommen.

Außerdem gibt es in den Wintermonaten immer wieder Probleme beim Öffnen der Klappschütze. Die Schützstangen, die an der Torhaut montiert sind, frieren fest und die Klappschütze können nicht geöffnet werden. Das bisher von Hand durchgeführte Enteisen birgt erhebliche Unfallgefahren in sich und muss durch geeignete Maßnahmen ersetzt werden.

Der Einbau von Luftsprudelanlagen am Ober- und Unterhaupt der Schleuse Schwedt ist daher dringen erforderlich. Durch den Einbau dieser Anlagen wird die Betriebsbereitschaft der Schleuse in den Wintermonaten ermöglicht bzw. verlängert, die Unfallgefahr für den Bediener beseitigt und die Antriebe und Tordichtungen werden geschont.

Sowohl am Außen- als auch am Binnenhaupt wird im Abstand zum Tor jeweils kammer- und vorhafenseitig auf der Sohle eine Edelstahlleitung mit entsprechenden Düsen verlegt. Zur Versorgung der Edelstahlleitungen mit Druckluft werden je Haupt zwei Kompressoren aufgestellt. Je ein Kompressor versorgt einen Leitungsstrang mit Druckluft. Der Leitungsquerschnitt, der Düsendurchmesser und der Druckluftbedarf müssen berechnet werden, damit nicht zu viel oder zu wenig Druckluft austritt. Denn nur durch eine ausgewogene Wasserumwälzung,wobei die wärmeren Wassermassen an die Oberfläche gefördert werden,und der dabei auftretenden Strömung kann eine eisfreie Wasseroberfläche bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gewährleistet werden.

Die Kompressoren, welche die Rohrleitungen mit der erforderlichen Druckluft versorgen, werden in schallgedämmten Mehrzweckschränken aufgestellt. Da die Druckluftleitungen je Haupt über einen Bypass verbunden sind, besteht bei Ausfall eines Kompressors die Möglichkeit, beide Druckluftleitungen mit einem Kompressor zu versorgen.

Wie im nachfolgenden Bild zu sehen ist, werden in den Wintermonaten bei Temperaturen unter –1° C die Tornischen und die Torräume bis zu 4 m eisfrei gehalten.
 

Druckluftleitungen auf der Sohle der Schleusenkammer
Druckluftleitungen auf der Sohle der Schleusenkammer - am Beispiel der Ostschleuse in Hohensaaten
Luftsprudelanlage
Luftsprudelanlage während der Wintermonate in Betrieb – am Beispiel der Westschleuse in Hohensaaten

PS: Die Schleuse ist inzwischen umgebaut worden, das Ergebnis wurde in der Pressemitteilung vom 19.12.01 veröffentlicht.