Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde

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Inhalt: Grundinstandsetzung mit Teilneubau der Schleuse Schöpfurth

Rolf Dietrich, Ulrich Zwinge, Michael Körner, Christian Lettner

03.01.2006

1 Veranlassung

Die Schleuse Schöpfurth befindet sich im Zentrum der Stadt Finowfurt im Norden des Landes Brandenburg. Sie ist Teil des Finowkanals, der heute, als Nebenwasserstraße der Havel-Oder-Wasserstraße, den Status einer sonstigen Binnenwasserstraße des Bundes trägt. Die Schleuse wurde im Jahr 1876 in dem für den Finowkanal charakteristischen Stil mit versetzten Häuptern als zweischiffige Anlage erbaut. In den Jahren 1931/32 erfolgte schon einmal eine Sanierung der Kammerwände.

Seit der Inbetriebnahme des Groß-Schifffahrtsweges Berlin - Stettin im Jahr 1914 verlor der Finowkanal zunehmend seine verkehrliche Bedeutung. Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen wurden zunehmend vernachlässigt, wodurch sich der bauliche Zustand im Laufe der Zeit mehr und mehr verschlechterte. An der Schleuse Schöpfurth war das Ablösen einer 0,3 m starken Mauerschale an der südlichen Kammermauer und die Schiefstellung der Häupter am offensichtlichsten. Die Trockenlegung der Schleuse für eine Bauwerksinspektion war zuletzt nicht mehr möglich, so dass ein den Anforderungen an die Ordnung und Sicherheit genügender Betrieb der Schleuse nur noch eingeschränkt möglich war. Die Grundinstandsetzung der Schleuse erfolgt jetzt durch einen lage- und abmessungsgleichen Teilneubau.

Wir begleiten dieses Projekt wieder mit einem Bild der Woche. Diese Bilder werden im Bildarchiv gesammelt.

Luftbild der Staustufe Schöpfurth

25.08.05 - Luftbild der Staustufe Schöpfurth mit der restaurierten Mühlenanlage
 

2 Bedeutung/Nutzen der Grundinstandsetzung

Das Projekt ist Gegenstand einer 1998 abgeschlossenen Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Brandenburg zur Wiederherstellung der durchgängigen Schiffbarkeit des Finowkanals, der ältesten noch in Betrieb befindlichen künstlichen Wasserstraße in Deutschland. Dabei werden insgesamt 21,2 Mio € in die Instandsetzung der wasserbaulichen Anlagen und für Baggerungen zum Erhalt einer Fahrrinne investiert. Bisher spektakulärstes Einzelprojekt war der am 14.09.2001 für den Verkehr freigegebene Ersatzneubau der Schleuse Eberswalde. Die am Finowkanal in Eberswalde ausgerichtete Landesgartenschau 2002 sowie ein von 2003 bis 2005 durchgeführtes Modellprojekt "Touristische Informationen an den Schleusen des Finowkanals" haben für einen kräftigen Anstieg der Nutzungszahlen gesorgt. Im Jahr 2004 wurden erstmals wieder mehr als 14.000 Wasserfahrzeuge pro Jahr geschleust.

Der Finowkanal spielt auch eine wichtige Rolle in der Wassertourismusinitiative Nordbrandenburg (WIN). Mit dieser Initiative wollen die Landkreise Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Barnim sowie die Städte Oranienburg, Neuruppin, Eberswalde und Templin insgesamt 100 km Wasserstraßen in Nordbrandenburg besser miteinander vernetzen und so bis zu 550 neue Arbeitsplätze schaffen. Zu den Zielen der WIN gehört unter anderem auch die bessere Anbindung des Finowkanals an die Obere Havel-Wasserstraße durch Reaktivierung des so genannten Langen Trödels (z.Zt. stillgelegte Nordstrecke des Finowkanals) und die Öffnung der z.Zt. zugeschütteten Südstrecke des Werbellinkanals. Die Ortslage Schöpfurth hat dabei eine besondere historische Bedeutung. Schon beim Bau des ersten Finowkanals (1605 – 1620) wurde die Havel bei Liebenwalde mit der Finow bei Schöpfurth verbunden. Bereits im Jahr 1608 wurde in diesem Zuge eine Mühle in Schöpfurth errichtet, deren Standort bis heute erhalten blieb. Die liebevoll denkmalgerecht restaurierte letzte Mühlenanlage dient heute als Verwaltungssitz der Gemeinde Schorfheide. Ein bestens ausgerüsteter Wasserwanderrastplatz und eine Kanu-Verleihstation laden den Wassertouristen zum Verweilen ein. Als außergewöhnliche touristische Attraktion ist das Luftfahrtmuseum Finowfurt fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen.

Neben der Mühlenanlage wurden im Zeitraum 2001/02 auch schon die alte Wehr- und Wasserkraftanlage sowie die Schleusenbrücke erneuert.

Übersichtskarte Finowkanal

Übersichtskarte Finowkanal
 

3 Randbedingungen

Ziel der Grundinstandsetzung ist die Erzielung ausreichender Standsicherheit und der Betriebsicherheit sowie Gebrauchstauglichkeit der Anlage für alle Lastfälle. Das Erscheinungsbild sollte hinsichtlich seiner exponierten Lage im Zentrum von Finowfurt möglichst erhalten bleiben. Die vorhandene Kammerlänge von 39,50 m ist beizubehalten. Da die Schleusenbrücke auf Teilen des Unterhauptes aufgelagert ist und bautechnisch mit diesen eine Einheit bildet, ist die Lage des Hauptes unverrückbar.

Die Kammerwände und Häupter der vorhandenen Schleuse bestehen aus Mauerwerk mit einer Vorsatzschale aus Klinker. Diese wurden im Querschnitt getreppt ausgeführt – mit zunehmender Wandstärke von oben nach unten. Die Kammersohle wurde massiv aus Mauerwerk mit einer Ziegelrollschicht als Abdichtung ausgebildet. Da der Abfluss über den benachbarten Mühlengraben mit Hilfe eines Wehres geregelt wird, ist bauzeitlich ein Durchfluss durch die Schleuse nicht erforderlich.

4 Bauweise

Die Instandsetzung erfolgt unter Einsatz eines neuen Tragsystems aus Stahlbeton, wobei das vorhandene statische System und die vorhandene Geometrie unverändert beibehalten werden. Zu diesem Zweck erfolgt ein Abbruch der geschädigten Teile der Häupter und der Kammer.

Die Kammerwände erhalten neue, sehr massive Wandköpfe und einen Sporn. Die äußeren Lasten aus Wasser- und Erddruck werden durch das erhöhte Eigengewicht der Konstruktion sicher aufnehmbar. Im oberen Bereich erhalten die Wände eine neue Klinkervorsatzschale, darunter wird im Bereich der alten Vorsatzschale eine 40 cm dicke Stahlbetonwand vorgesehen. Die Kammersohle wird durch eine neue, zusätzliche Sohle aus Stahlbeton für die Trockenlegung auftriebssicher gemacht.

Das Oberhaupt wird neu errichtet und das Unterhaupt erhält eine neue Tragschale aus Stahlbeton. Die Herstellung dieses Halbrahmens erfolgt abschnittsweise. Insbesondere wird auch die Fugenkonstruktion zur vorhandenen Brücke im Unterhaupt wasserdicht ausgebildet.

Zum Füllen und Entleeren wird das vorhandene System beibehalten und instand gesetzt. Das Füllen der Kammer erfolgt durch die Umläufe. Hierbei wird das Wasser um das Schleusentor herum geführt. Das Entleeren erfolgt über Torschütze im Untertor. Als Schleusentore werden im Ober- und Unterhaupt zweiflügelige Stemmtore vorgesehen, wobei das Oberhaupt mit hoch liegendem Drempel ausgebildet wird. Die Stauwand bildet ein Faltwerk, welches durch umlaufende Torsionskästen abgeschlossen wird.

5 Bauablauf

Zur Erzielung einer trockenen Baugrube erfolgt eine Umschließung der Kammerwand und des Oberhauptes mit Spundwänden. Diese werden dicht an das verbleibende Unterhaupt herangeführt und wasserdicht an das Mauerwerk angeschlossen. Gegen das Unterwasser wird mit einem temporären Dammbalkenverschluss gedichtet. Innerhalb dieser Baugrube wird das Grundwasser mittels einer Vakuumanlage abgesenkt.

Nach dem Abbruch eines Teilbereiches der Kammer werden Wandkopf und Sporn bewehrt, geschalt und betoniert. Anschließend kann die Schleuse trockengelegt und die Sohle hergestellt werden. Während dieser Phase werden auch die Häupter einschließlich der Umläufe im Oberhaupt errichtet. Anschließend erfolgen der Bau der Vorsatzschale der Kammerwände und die Ertüchtigung der Uferwände. Weiterhin erfolgt die Komplettierung der Schleusenausrüstung hinsichtlich dem Einbau der Tore, der Elektrotechnik, Steuer- und Regeltechnik und des Maschinenbaus. Abschließend werden Erd- und Nassbaggerarbeiten im Ober- und Unterwasser vorgenommen, die Einfahrtsdalben und die Wartestellen sowie die Außenanlagen erstellt.

6 Technische Ausrüstung

Die Schleuse Schöpfurth wird – wie künftig alle Schleusen am Finowkanal – als manuelle Selbstbedienungsanlage ausgebildet. Die Antriebe werden so ausgelegt, dass sie mit relativ geringer Kraft (< 0,25 kN) bewegt werden können. Teilweise werden die vorhandenen Antriebe aufgearbeitet und wieder eingesetzt.

Als Torantrieb ist ein so genannter Tummelbaum (Göpelwerk) vorgesehen. Hierbei wird auf den vorhandenen Antrieb ein drehbares Kopfteil montiert, in welchem sich ein 1,4 m langer Hebel befindet. Über eine Verbindungswelle wird das Ritzel per Hand angetrieben, wobei zum Öffnen der Tore 5½ Umdrehungen erforderlich sind.

Zur Vermeidung von Fehlbedienungen wird die Anlage mit einer speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) ausgerüstet. Zur Überwachung des Schleusenvorgangs werden Verriegelungen der Torstellungen definiert.

Damit bietet die neue Schleuse Schöpfurth künftig eine bisher einmalige Attraktion in Brandenburg. Erstmals wird eine Schleuse durch die Wassertouristen selbst, von Hand, bedient werden. Die immer noch geringen Nutzungszahlen rechtfertigen nicht die Kosten für eine Umrüstung der 12 Schleusen am Finowkanal auf den halbautomatischen Selbstbedienungsbetrieb mit elektromechanischen Antrieben, wie er sonst an den modernisierten Anlagen des WSA Eberswalde Standard ist. Deshalb versucht das WSA Eberswalde mit diesem Pilotprojekt erste Erfahrungen zu einer betriebssicheren Selbstbedienung von Hand für eine kleine Schleuse zu sammeln.

7 Baudurchführung

Nach öffentlicher Ausschreibung wurde der Bauauftrag zur Grundinstandsetzung der Schleuse Schöpfurth im August 2005 an einen Generalunternehmer mit Sitz im Land Brandenburg erteilt. Die Bauzeit wird ca. zehn Monate betragen, so dass die instand gesetzte Schleuse im Laufe der Sportbootsaison 2006 wieder in Betrieb gehen soll. Die Kosten des Projektes in Höhe von rund 1,9 Mio Euro trägt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

8 Bilder

Die nachstehenden Aufnahmen zeigen einige Impressionen von der Staustufe Schöpfurth vor dem Baubeginn für die Grundinstandsetzung der Schleuse. Wir begleiten dieses Projekt wieder mit einem Bild der Woche. Diese Bilder werden im Bildarchiv gesammelt.

Blick auf das Oberhaupt
28.07.05 – Blick auf das Oberhaupt der Schleuse Schöpfurth
Mauerwerksschäden
22.08.03 – Aufnahme von den Mauerwerksschäden an der Schleuse Schöpfurth

Luftbild von der Ablage Schöpfurth
25.08.2005 – Luftbild von der Ablage Schöpfurth im Oberwasser der Schleuse. Gleich links neben der Ablage zweigt der Stichkanal zum Wasserwanderrastplatz und zum Gemeindezentrum der Gemeinde Schorfheideab.
Begutachtung baulicher Schäden
2003 - Begutachtung und Aufnahme baulicher Schäden an der Schleuse durch Taucher, hier am Oberhaupt, welches vollständig durch einen Neubau ersetzt wird.

Denkmal des Finowfurter Flößervereins
20.09.2005 – Denkmal des Finowfurter Flößervereins an der Ablage Schöpfurth
Bauschild für die Grundinstandsetzung
02.01.2006 – Bauschild für die Grundinstandsetzung der Schleuse Schöpfurth

altes Wehr mit Wasserkraftanlage, trocken gelegt für die Instandsetzung
24.01.2001 – Altes Wehr mit Wasserkraftanlage, trocken gelegt für die Instandsetzung
altes Wehr mit Wasserkraftanlage, nach der Instandsetzung
20.09.2005 – Altes Wehr mit Wasserkraftanlage, nach der Instandsetzung

altes Wehr mit Wasserkraftanlage, vor der Instand-setzung
24.01.2001 – Altes Wehr mit Wasserkraftanlage, vor der Instandsetzung
das restaurierte Wehr mit Wasserkraftanlage, nach der Instandsetzung
20.09.2005 – Das restaurierte Wehr mit Wasserkraftanlage, nach der Instandsetzung

altes Schleusenbrücke, vor dem Ersatzneubau
24.01.2001 – Alte Schleusenbrücke, vor dem Ersatzneubau
neue Schleusenbrücke, nach dem Ersatzneubau
08.05.2002– Neue Schleusenbrücke, nach dem Ersatzneubau