Inhalt: Kompensationsmaßnahme "Rönnebecker Sand"
Das Maßnahmegebiet befindet sich auf der Insel "Weserdeicher Sände" an der Unterweser bei Berne. Auf einem ehemaligen Spülfeld wurde auf einer Fläche von ca. 34 ha eine landschaftstypische Abfolge von Lebensräumen mit Tidegewässer, Röhrichtgürtel, Auengebüsch und großräumiger Grünlandnutzung angelegt.
Kernstück ist die Flachwasserzone, ein Tidegewässer mit ca. 7,8 ha Dauerwasserfläche. Eine Sohlschwelle mit einer Höhenlage von 0,50 cm unterhalb MThw stellt die tiderhythmische Anbindung mit der Westergate her und gewährleistet einen Mindestwasserstand von 2 Metern. Auf weiteren ca. 5,3 ha soll sich Schilfröhricht ansiedeln.
Umgeben wird das Flachwasserbiotop von einer etwa 21 ha großen "Pufferzone", die teilweise der freien Vegetationsentwicklung (Sukzession) überlassen wird, zum überwiegenden Teil aber als extensiv genutztes Grünland den vorhandenen Wiesenvogelbestand auf dem Rönnebecker Sand fördern soll (u.a. Uferschnepfe, Kiebitz). Die Pufferzone ist als Ersatzmaßnahme für direkte Beeinträchtigungen durch Baggerei und Verklappung in der Außenweser vorgesehen.
Im Frühjahr 2001 wurde mit den Erdbauarbeiten zur Herstellung der Flachwasserzone begonnen. Im Jahr 2002 wurden die Erdbauarbeiten abgeschlossen.
Wie an der Flachwasserzone "Kleinensieler Plate" nutzten auch auf dem Rönnebecker Sand mehrere Brutpaare Säbelschnäbler die zunächst offenliegenden Sandflächen im Uferbereich als Brutplatz. Diese "Pionierbesiedler" haben sich inzwischen aber wieder aus dem Gebiet zurückgezogen und Kiebitz, Rotschenkel und Flussregenpfeifer das Terrain überlassen. Der Brutvogelbestand 2003 im Gebiet wurde als "landesweit bedeutend" eingestuft (MORITZ 2003), wobei dem Brutvorkommen der Grauammer ein besonderes Bewertungsgewicht zukam. Auf der Flachwasserzone haben sich zahlreiche Wasser- und Watvögel eingestellt, mehrere hundert Graugänse, Krickenten und Pfeifenten waren zeitweise dort anzutreffen.
Während die extensiv genutzten Grünlandflächen mehrere Jahre benötigen werden, um eine naturnähere Ausprägung zu entwickeln, wurde das Ufer der Flachwasserzone umgehend von Sumpf-Pflanzen und Röhrichten besiedelt. Besonders erwähnenswert ist das Massenvorkommen des Schlammkrauts (Limnosella aquatica), ein Rohboden-Pionier, der im Unterweserraum bislang nur selten anzutreffen war. Die Pflanze wurde zuletzt in großen Beständen am Werdersee in Bremen vorgefunden. Zur Zeit ist das Ufer der Flachwasserzone am Rönnebecker Sand im Gegensatz zur Kleinensieler Plate zur Beweidung durch Rinder offen. Dadurch soll den Pionierpflanzen über längere Zeit ein Standortvorteil geschaffen werden, bevor sich langfristig die Tideröhrichte durchsetzen werden.
Ergebnisse zur Fauna am Gewässerboden (Makrozoobenthos): Während in der Unterweser selbst nur eine ausgesprochen spärlich entwickelte Infauna festzustellen war (lediglich Muscheln der Gattung Corbicula, juvenile Schlammröhrenwürmer und Flohkrebse, Enchyträen sowie der Brackwasseramphipode Bathyporeia pilosa traten hier etwas regelmäßiger in den Fängen auf), zeigte sich der Gewässergrund in der Flachwasserzone gut besiedelt. Insbesondere Oligochaeten mit verschiedenen Vertretern sowie die Larven diverser Zuckmückenarten kamen nahezu im gesamten Gewässer zahlreich vor. Beide Gruppen erreichten nicht selten Abundanzen von einigen zehntausend Individuen pro Quadratmeter. Vergleichbare Individuendichten konnten aber auch in den schlickigeren Abschnitten von Westergate und Rekumer Loch, die als Bindeglieder zwischen Unterweser und Flachwasserzone fungieren, festgestellt werden. Bemerkenswert war das Vorkommen einiger gefährdeter Kleinmuschelarten mit Präferenz für bewegtes Wasser (Pisidium henslowanum, P. moitessierianum, P. supinum) im oberen, östlichen Teilbereich der Flachwasserzone. Hier kamen zudem, allerdings nur ganz vereinzelt, einige Vertreter der Eintags- und Köcherfliegen sowie Wasserkäfer vor, die aus der Tideweser sonst nicht bekannt sind. Allerdings handelt es sich bei diesen Arten zumeist um weniger anspruchsvolle Formen, die in ihrer Mehrzahl auch in Baggerseen bzw. Gräben mit schwankenden Wasserständen vorkommen. Weiterhin waren diverse Fischarten (vorwiegend Juvenile) in der Flachwasserzone vorhanden.
Die Funktionskontrollen werden noch bis zum Jahr 2012 fortgesetzt.
Ergebnisse der Funktionskontrollen
- Bericht Brutvögel Rönnebecker Sand 2003
- Bericht Vegetation Rönnebecker Sand 2003
- Bericht Rast- und Gastvögel Rönnebecker Sand 2003/2004
- Bericht Aquatische Fauna 2004
- Bericht Vegetation Rönnebecker Sand 2007
- Bericht Brutvögel Rönnebecker Sand 2007
- Bericht Gewässerfauna Rönnebecker Sand 2009
Fotos zur Entwicklung der Kompensationsmaßnahme Rönnebecker Sand:
Luftbild vor Beginn der Baumaßnahmen
Luftbild bei Beginn der Baumaßnahmen im Jahr 2001

Auf dem unteren Luftbild wird gerade ein Cutter-Bagger, der im Spülverfahren das neue Gewässer herstellen wird, von der Weser aus in die Baugrube gezogen (17. Juli 2001).

Blick auf die fertiggestellte Flachwasserzone mit sandigem Uferbereich im März 2002

Flachwasserzone im Oktober 2002

Blick von der Trockendüne zur Weser im Oktober 2002

Pfeifenten auf der Flachwasserzone im Dezember 2007
Blick von der Trockendüne auf die Flachwasserzone im Dezember 2007
Weiterer Blick von der Trockendüne auf die Flachwasserzone im Dezember 2007
Sandbank am Ostufer der Flachwasserzone Dezember 2007
Auf der Trockendüne Dezember 2007
Weitere Luftbilder aus dem Jahr 2008






