Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Imperial Continental Gas Assocation

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Von der 1901 in Betrieb genommenen Gasanstalt Mariendorf wurden vor allem die südlichen Gebiete des Altkreises Teltow mit Gas versorgt. Das 780.000 Quadratmeter große Gelände lag unmittelbar parallel zu den Gleisen der Berlin-Dresdner Eisenbahn. Vom Bahnhof Marienfelde wurde ein Werkbahnanschluss gelegt. Werk und Bahnhof erhielten je drei Abstellgleise für die Kohlezüge.

Mit dem Bau des Teltowkanals entstand der Hafen Mariendorf als Umschlagplatz für eine kostengünstigere Anlieferung der Kohle auf dem Wasserweg. Zwischen Kaimauer und Ofen wurde ein Schmalspurgleis für den Lorentransport gebaut. Täglich konnten fünf Breslauer-Maßkähne mit 3.100 Tonnen entladen werden. Mitunter warteten bis zu 20 Finowkähne auf das Löschen.

Nach Liquidation der „Imperial Continental Gas Association“, die Berlin von 1826 bis 1918 mit Gas und Gaslicht versorgt hatte, gründeten der Kreis Teltow und die Deutsche Continental-Gasgesellschaft AG Dessau die Deutsche Gasgesellschaft AG Berlin-Tempelhof. Mit der Beteiligung der damals noch selbständigen Gemeinden Schöneberg und Wilmersdorf avancierte das Unternehmen nach den Städtischen Gaswerken zum zweitgrößten Gasversorger der Region. Vom Gaswerk Mariendorf wurden Zehlendorf, Steglitz, Schöneberg, Tempelhof, Neukölln und Orte im Teltow versorgt.

Nach Ablauf des Gasmonopols der „Imperial Continental Gas Association“ zog die Stadt ab 1847 mit eigenen Gaswerken nach. Mit der Bildung von Groß-Berlin wurde daraus (wie auch Versorgungsbetriebe für Wasser und Strom) 1923 die „Berliner Städtische Gaswerke AG“ (Gasag) – ein kommunaler Eigenbetrieb. 1939 gelang die Übernahme der Deutschen Gasgesellschaft AG. Zehn Jahre später gab es dann für lange Zeit die Gasag Berlin (West) und den „VEB Gasversorgung Berlin".

Während im Ostteil der Stadt nach der Wende die Umstellung auf Erdgas mit dem Austausch von über 600 Kilometern überfälligen Gussrohrleitungen bereits 1990 abgeschlossen war, begann das Erdgaszeitalter in den westlichen Stadtbezirken etwas später. Mit der Anbindung an das westeuropäische Verbundsystem wurde die Abhängigkeit Berlins vom bisherigen Monopollieferanten Russland beseitigt. Obendrein können nach dem Ausbau des Erdgasuntertagespeichers im Grunewald heute 40 Prozent des jährlichen Gasbedarfs vorgehalten werden. Diese „Erfolgsmeldungen“ können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land Berlin 1998 mit dem Verkauf von 51,2 Prozent der Aktienanteile an das Konsortium Gaz de France, Vattenfall und Thüga mehr als 700.000 Kunden in über 600.000 Wohnungen einem marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen überlassen hat.

Mariendorf ist überflüssig geworden. Während der vereinsamte Hafen noch immer betriebsbereit gehalten wird, wurde vor Jahren auf dem Werksgelände der Grundstein für das Zentrallager der Kaisers Tengelmann AG gelegt. Aus Mariendorf werden seither nicht mehr Haushalte mit Gas, sondern 159 Filialen in Berlin und Brandenburg mit Lebensmitteln versorgt.