Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Dahme-Wasserstraße (DaW)
km 26,10 (oberhalb der Einmündung der Teupitzer Gewässer) bis 25,00 (Prieros)
km 25,00 bis 0,00 (Einmündung in die SOW bei Schmöckwitz bei km 43,90)
mit Teupitzer Gewässer (TpG) km 18,30 (Südwestende Teupitzer See bei Egsdorf) bis 0,00 (Einmündung in die DaW bei km 26,00)
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km 0,00 Dahme Wasserstraße

Auf einer seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ wollte Theodor Fontane „bis zu den See- und Quellgebieten der ‚wendischen Spree’ vordringen. Die Schiffsreise mit der „Sphinx“ im Juli 1874 versetzte ihn schon vorher „in eine Aufregung, als ob es sich um ein Vordringen bis zu den See- und Quellgebieten des Nils gehandelt hätte“. Geschafft hat er es nicht, weil die Reisegesellschaft ab Prieros den Wasserweg nach Teupitz wählte.

Bevor wir uns auf die Reise machen, ist zu erklären, dass die schifffahrtsamtliche Bezeichnung „Dahme-Wasserstraße (DaW)“ nur etwa 26 Kilometer der Dahme erfasst, der Fluss insgesamt aber etwa 95 Kilometer lang ist, am Rande des Niederen Fläming bei dem gleichnamigen Ort Dahme entspringt und bis Märkisch Buchholz beschaulich durchs Land mäandert.

Für Fontane steht am Ende der Anfang, aber was er dann nach zwei Reisetagen „an Bord der Sphinx“ niederschreibt, charakterisiert das Gewässer nur halbherzig: „An der Brücke zu Cöpenick treffen zwei Flüsse beinahe rechtwinklig zusammen: die ‚eigentliche’ Spree und die ‚wendische’ Spree, letztere auch ‚die Dahme’ geheißen. Die wendische Spree, mehr noch als die eigentliche, bildet eine große Anzahl prächtiger Seeflächen, die durch einen dünnen Wasserfaden verbunden sind. Ein Befahren dieses Flusses bewegt sich also in Gegensätzen, und während eben noch haffartige Breiten passiert wurden, drängt sich das Boot eine Viertelstunde später durch so schmale Defilés, daß die Ruderstangen nach rechts und links hin die Ufer berühren. So diese Wasserstraße.“

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km 0,07 Dahme-Wasserstraße, Einmündung in die Spree-Oder Wasserstraße

Unsere Betrachtungen der Dahme bzw. der Dahme-Wasserstraße (DaW) beginnen ein Stück flussaufwärts an der Einmündung in die Spree-Oder-Wasserstraße (SOW). Dort liegt Schmöckwitz, der südlichste Ortsteil von Berlin, wo sich laut Fontane „vier über Kreuz gestellte Seeflächen, der Lange See, der Seddinsee, die Krampe und der Zeuthener See, ein Rendezvous geben“. Unter dem Namen „Smekewitz“ wird Schmöckwitz 1375 erstmals urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte waren in diesem Dorf Fischer ansässig. Der „Aufstieg“ begann 1895. Der Bankier Albert Schappach gründete die „Terraingesellschaft Carolinenhof“ und legte eine Villenkolonie an. Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahre 1920 wurde Schmöckwitz eingemeindet und Teil des Stadtbezirkes Köpenick. Dem beliebten Ausflugziel hat das nicht geschadet.

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km 0,33 Badestelle am Zeuthener See

Unmittelbar an der Schmöckwitzer Brücke wurde 1969 (als eine der Nachfolgeeinrichtungen des Königlich-Preußischen Wasserbaukreises Coepenick) die Strommeisterei Schmöckwitz eingerichtet. Geblieben ist der große Bootsschuppen, nicht geblieben ist der „Gasthof zur Palme", dafür aber immer noch die (erste) Badestelle am Zeuthener See, an dem sich nun bis zum km 4,50 Zeuthen hinzieht. Zeuthens Geschichte ist eigentlich die Geschichte dreier Orte: Miersdorf, Zeuthen und Gersdorf. Das Territorium wird am 10. Februar 1317 erstmals im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt. 1860 verlor Gersdorf seine Eigenständigkeit, 1957 auch Miersdorf - geblieben ist mit der Miersdorfer Kirche aus dem 14. Jahrhundert immerhin eine der ältesten Feldsteinkirchen auf dem Teltow.

Rasant wird es am Ende des 19. Jahrhunderts. In der Gründerzeit zog es die Berliner Unternehmer „ins Jrüne". Villen entstanden, Seglerverein und Yachtklub. So wuchs die Einwohnerzahl von 168 im Jahr 1868 auf 2000 im Jahr 1925 und auf 4000 im Jahr 1939 an. Der Traum von einem Grundstück am See hielt auch in den Jahren der DDR an. Funktionäre aus Staats- und Parteiapparat, Staatssicherheit, aber auch Künstler, darunter der Komponist Paul Dessau, die Regisseurin Ruth Berghaus, die Schriftstellerin Ruth Kraft, bezogen Häuser, die durch „Westumzüge“ frei geworden waren – mit den bekannten Restitutionsproblemen nach der Wende. Gefragt ist Zeuthen auch nach der Wiedervereinigung - am 31. Dezember 2006 gab es 10.377 Einwohner.

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km 3,90 Leuchtfeuer Miersdorfer Werder

Bevor uns bei km 3,90 das mit Solarzellen betriebene Leuchtfeuer am Miersdorfer Werder den weiteren Weg weist, sei darauf hingewiesen, dass gegenüber am Westufer der Dahme die Gemeinde einen Fontane-Park gestaltet hat. In der von der Königlichen Regierung in Potsdam im Jahre 1901 veröffentlichten Zusammenstellung der „Märkischen Wasserstraßen“ ist vermerkt, das hier „Hankels Ablage“ war, auf dem der Fischer Friedrich Hankel einen Umschlagplatz für Holz betrieb.

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km 3,90 Am Fontane Park Zeuthen

Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn „Hankels Ablage“ nicht mit einer Mesalliance, der unstandesgemäßen Liebe zwischen dem Offizier Baron Botho von Rienäcker und der kleinbürgerlichen Plätterin Lene Nimptsch, Eingang in die Literatur gefunden hätte. Auf einer Landpartie zu „Hankels Ablage“ treffen die Liebenden drei Freunde Bothos. Botho von Rienäcker erkennt, dass er in der Öffentlichkeit keinen natürlichen Umgang mit Lene Nimptsch pflegen kann. Er trennt sich von Lene. Sie hat Verständnis für seinen Entschluss. Beide heiraten andere Partner, mit denen sie ein „mäßig“ glückliches Leben bestreiten. Theodor Fontane hat die Geschichte 1888 als Roman unter dem Titel „Irrungen, Wirrungen" veröffentlicht.

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km 3,90 Gedenkstein Theodor Fontane

Bei km 6,30 verzeichnet die Wasserstraßenbeschreibung „Abzweigung Stichkanal“. Dieser führt seit 1897 auf das Gelände der „Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff, Berlin“. Gebaut wurden in Wildau Dampflokomotiven für die Preußischen Staatseisenbahnen, ab 1910 bzw. 1924 mit der Ansiedlung der „Maffei-Schwartzkopff-Werke GmbH“ Elektro- und Diesellokomotiven. Noch in Erinnerung ist der „VEB Schwermaschinenbau Heinrich Rau Wildau“ mit der Produktion von Kurbelwellen für Schiffsdieselmotoren und Wälzlager, geblieben ist die inzwischen denkmalgeschützte Schwartzkopffsiedlung, einst errichtet für Werksarbeiterwohnungen.

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km 7,75 Verladestelle Kalksandsteinwerk

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km 7,90 Wasserturm an der Autobahnbrücke bei Niederlehme

Es gibt wohl kaum jemanden, dem ein Bauwerk an der Autobahn A10 nicht aufgefallen ist: Der Wasserturm, Wahrzeichen und Stolz von Niederlehme. Erbauen ließ ihn 1902 der Besitzer des Kalksandsteinwerkes Robert Guthmann. 27 Meter hoch, 8,50 Meter dick und ein mehrstufiges Kegeldach obendrauf, sollte der Turm aller Welt zeigen, dass die in Niederlehme geformten Kalksandsteine (seit nunmehr über 100 Jahren) manche Belastung aushalten.

Für Fontane blickte damals 1874 „von fern der Königs Wusterhausener Turm zu uns herüber“. Gemeint war wohl der Schlossturm, weniger der einzige - heute noch erhaltene - und weithin sichtbare 210 Meter hohe Sendemast auf dem Funkerberg, der bis 1999 als Antenne für die Langwelle diente. Am 22. Dezember 1920 wurde von hier das erste Mal Musik und Sprache auf „Welle 2400“ gesendet,- das Weihnachtskonzert der Reichspost. Seither gilt Königs Wusterhausen als Wiege des deutschen Rundfunks. Was davon übriggeblieben ist, wurde zum technischen Denkmal erhoben, betreut vom Förderverein „Sender- und Funktechnikmuseum“.

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km 8,10 Königs Wusterhausen Funkturm, um 1925

Am Fuß des Funkerbergs breitet sich Königs Wusterhausen aus. Nach Fontane „stand hier in alten wendischen Zeiten ein Dorf namens ‚Wustrow’. Als die Deutschen ins Land kamen, gründeten sie das noch existierende Deutsch-Wustrow zum Unterschiede von Wendisch-Wustrow, schließlich aber wurden beide Worte durch ein angehängtes ‚hausen’ germanisiert und Deutsch- und Wendisch-Wusterhausen waren fertig. Wendisch-Wusterhausen wurde eine markgräfliche Burg. Sie verteidigte den Notteübergang und war eine der vielen Grenzburgen zwischen der Mark und der Lausitz“.

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km 8,10 Schloss Königs Wusterhausen

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km 8,10 Tabakskollegium

Nach vielem Hin und Her kam der Ort 1698 in den Besitz von König Friedrich Wilhelm dem Ersten. Der Soldatenkönig „nahm Wendisch-Wusterhausen von Anfang an in seine besondere Affektion und hielt bei dieser Bevorzugung aus bis zu seinem Tode. Was es jetzt ist, verdankt es ihm. Mit Recht wechselte der Flecken seinen Namen und erhob sich aus einem Wendisch-Wusterhausen zu einem Königs Wusterhausen. Hier fanden weidmännische Feste statt, die den Ort zum Jagdschloss par excellence erhoben, hier rief der König sein „Tabakskollegium“ zusammen, bei dem von den genussvoll rauchenden Herren in geselliger Runde große Politik gemacht wurde.

In letzter Zeit ging es in Königs Wusterhausen vor allem um kommunale Politik. Mit der Gemeindegebietsreform wurden - ziemlich umstritten - Zeesen, Kablow, Niederlehme, Senzig, Wernsdorf und Zernsdorf eingemeindet. Dazu kam auf 29, 6 Hektar das „neue Diepensee“, eine Siedlung, die den Bewohnern der ehemaligen gleichnamigen Gemeinde in den Sand gebaut wurde, nachdem das alte Diepensee dem zukünftigen Airport Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld weichen musste: „Umsiedler 335, Eigentümer 62 Haushalte, Mieter 67 Haushalte, Gewerbebetriebe 7. Vertragsgrundlage: Umsiedlungsvertrag zwischen der FBS, den Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und Bundesrepublik Deutschland und der Gemeinde vom 23.06.1999 (Diepensee-Vertrag).“ Die Einwohnerzahl von Königs Wusterhausen hat sich damit verdoppelt, von 17.000 auf 34.000, die Fläche versechsfacht.

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km 8,10 Verschönerungsplan vom Königl. Schlossgarten zu Königs Wusterhausen, 1832 entworfen von Peter Joseph Lenné

Nicht (wieder) gewachsen ist dagegen der Schlosspark. Er ist (leider) nur noch in Rudimenten vorhanden. Wie er einst ausgesehen haben könnte, lässt sich dem „Verschönerungsplan vom Königl. Schlossgarten zu Königs Wusterhausen“ entnehmen - 1832 entworfen von Peter Joseph Lenné. Fast gleichlaufend zum Notte-Kanal durchziehen den Park Graben und teichartige Erweiterungen. Hinter dem Schloss ist ein Lauf sichtbar, über den das Wasser in die Anlage geleitet wird. Der Abfluss muss ungefähr dort gelegen haben, wo die Mündung des Notte-Kanals in die Dahme heute zum Hafen Königs Wusterhausen wird.

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   km 8,26 Hafen Königs Wusterhausen, Mündung Notte

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km 8,26 Hafen Königs Wusterhausen

Ein Hafen wird 1854 erstmals im Zusammenhang von Baustofftransporten mit Finowmaßkähnen nach Berlin erwähnt. Vierzig Jahre später bekam die Binnenschifffahrt Konkurrenz. Über einen Gleisanschluss an die Berlin-Görlitzer Eisenbahn wurde Lausitzer Braunkohle weiter nach Berlin transportiert. 1972 erfolgte die Eingliederung des Hafens in das „VE Kombinat Binnenschifffahrt und Wasserstraßen“. Im Zusammenhang mit „der Sicherung der Versorgung des Kraftwerks Rummelsburg mit Braunkohle“ ließ die DDR den Hafen in den Jahren von 1983 bis 1987 rekonstruieren. Geschaffen wurden auf weiteren 15 Hektar Lagerflächen für Kohle, Kran- und Waggonkippanlagen. Heute besorgt die „LUTRA Mittelbrandenburgische Hafengesellschaft mbH“ mit Vermietung, Umschlag, Transport und Logistik das Geschäft.

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    km 8,26 Hafen Königs Wusterhausen Lageplan

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km 8,26 Biomassekraftwerk im Hafen Königs Wusterhausen

Angesiedelt wurde ein Biomassekraftwerk. Für 160.000 MWh Strom, das entspricht dem Bedarf von 55.000 Haushalten, werden jährlich 120.000 Tonnen Alt- und Restholz benötigt. Im Juli 2007 machte die Landesregierung Brandenburg bekannt, dass 2006 im Hafen Königs Wusterhausen eine Umschlagmenge von 4 Millionen Tonnen erreicht wurde. Für das Jahr 2010 erwartet der Betreiber 5,2 Millionen Tonnen. Davon übernehmen Schiff 1,9, Bahn 2,2 und LKW 1,1 Millionen Tonnen. Gegenwärtig entfallen zwei Drittel der Umschlagmenge auf den Kohletransport mit Schubverbänden über die Dahme- und die Spree-Oder-Wasserstraße von Königs Wusterhausen zum Kraftwerk Klingenberg.

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km 8,30 Braunkohleverladung

Auf Fontanes Reise im Juli 1874 spielte weder dieser Hafen noch die Wasserschutzpolizeiwache des Landes Brandenburg eine Rolle. Jener war wohl zu unbedeutend, jene hat sich erst vor einiger Zeit dort niedergelassen. Zuständig ist sie für 51,47 Kilometer Bundeswasserstraßen, darunter (nach einem Verwaltungsabkommen mit dem Land Berlin) für Teile der Spree-Oder-Wasserstraße und der Wernsdorfer Seenkette sowie Zeuthener See, Dahme-Wasserstraße, Storkower Gewässer und Zernsdorfer Lanke. Polizeilich betreut werden mit Notte-Kanal und Galluner Kanal außerdem 32,9 Kilometer Landeswasserstraßen, die Schleusen Neue Mühle, Königs Wusterhausen, Mittenwalde, Gallun und Mellensee. Dazu kommen Aufgaben im Hafen und auf den Wasserskistrecken Krimnicksee (nicht öffentlich) und Krossinsee (Vereinsstrecke).

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km 8,60 Wasserschutzpolizeiwache im Hafen Königs Wusterhausen

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    km 8,60 Königs Wusterhausen Wassertankstelle

Da Wassertankstellen im Wasserstraßenland Brandenburg zu den (beklagten) Raritäten zählen, sei darauf hingewiesen, dass gegenüber der Wache im Juli 2006 eine solche für Sportboote in Betrieb genommen wurde - die einzige im weiteren Umfeld, gefördert mit 238.000 Euro. Zum Service gehören SB-Tankanlage für Diesel und Super bleifrei, Absaugstation für Fäkalien, Versorgungssäule für Strom und Trinkwasser. Bezahlt wird bargeldlos mit EC-Karte.

Zurück zu Theodor Fontane, der mit der „Sphinx“ kurzerhand „in die Neumühler-Schmalung einfuhr, die den Zeuthener See mit dem Krüpelsee verbindet, endlich aus dieser Schmalung in den Krüpelsee selbst“. Ein bisschen genauer hätte er schon hinsehen können. Stattdessen beschreibt er den auf dem Schiff gedeckten Tisch. „Der weißeste Damast, das blinkendste Silber lachte uns entgegen. Selbst an Tafelaufsätzen gebrach es nicht. Aber Größeres war uns vorbehalten, was sich erst offenbaren sollte, als die Reihe der vorschriftsmäßigen Gänge, unter denen sich besonders das Fischgericht ‚Schlei mit Dill’ auszeichnete, beendet war.“

Nun gut, die Eisenbahnbrücke der Königs Wusterhausen–Beeskower Bahn bei km 8,65 hätte er nicht beschreiben können, weil der Landkreis Beeskow-Storkow beim preußischen Staat die Inbetriebnahme erst 1898 erreichte. Was aber war mit der Schleuse Neue Mühle?

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km 9,49 Situationsplan Schleuse Neue Mühle

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km 9,49 Schleuse Neue Mühle, Unterwasser

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km 9,49 Schleuse Neue Mühle Oberwasser

Fontane, immerfort doch auf Geschichten aus, hätte doch von dem Malheur wissen müssen, dass seinem König Friedrich I. (1657-1713) in dieser Gegend geschehen sein soll: Auf der Jagd nach einem Hirsch, der entwischte, soll er in der „Wendei“ herumgeirrt sein. Irgendwann soll er auf eine Wassermühle getroffen sein, die 1478 in den Urkunden erstmals auftaucht – die Neue Mühle bei Königs Wusterhausen. Nachdem er von Müllers Speis und Trank erhalten hatte, soll er sich nach ihren Wünschen erkundigt haben. Der Müller soll über den wechselnden Wasserstand der Dahme geklagt haben, der den Mühlenbetrieb beeinträchtigt. Wehr und Schleuse wünschte er sich, die er 1696 auch bekam - und deren steinerne Kammerwände von damals noch heute die Bootsschleppe flankieren.

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km 9,49 Neue Mühle, Bootsschleppe mit Resten der alten Kammerwände

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km 9,49 Neue Mühle, Wehr

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km 9,49 Neue Mühle, Aalfang

1868 wurde einige Meter weiter eine neue Schleusenkammer errichtet - der heutige Standort. Die Kammer hat heute eine (genehmigte) nutzbare Länge von 38,93 Meter und eine Breite von 5,33 Meter. Da seit 1845 in Preußen die königliche Order für eine (erste) einheitliche Schiffsgröße bestand, das Finowmaß mit 40,2 Meter Länge und 4,6 Meter Breite, kann davon ausgegangen werden, dass die Finowmaßkähne seinerzeit in die Schleusenkammer quasi „hineingepresst“ wurden.

Da die Landstraße von Königs Wusterhausen nach Niederlehme bzw. Zernsdorf unmittelbar über den Schleusenbereich führt, wurde damals zwischen Schleusentor und Unterwasser eine Kettenzugbrücke über das Gewässer gebaut.

Zur Schleusung von größeren Schiffen wird der Straßenverkehr unterbrochen und die Klappbrücke hochgefahren, da nur so die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt gewährleistet werden kann. Wenn sich dann am Unter- bzw. Oberhaupt das Stemmtor öffnet, was bis 1950 per Handkurbel geschah und heute über Knopfdruck erledigt wird, dann haben die Fahrzeuge eine Hubhöhe von anderthalb Metern überwunden.

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km 9,49 Schleusung vom Ober- zum Unterwasser sowie Funktion der Klappbrücke

Die Zahlen für die Schleuse Neue Mühle im Jahr 2006 sind beachtlich.

Geschleust wurden:

102 Fahrgastschiffe (50 Talfahrt und 52 Bergfahrt)
15.621 Kleinfahrzeuge (7815 Talfahrt und 7806 Bergfahrt)
643 Fiskalische Fahrzeuge (321 Talfahrt und 322 Bergfahrt)

Dafür wurden insgesamt 4106 Schleusenfüllungen notwendig.

 

Interessant ist auch das saisonabhängige Auf und Ab der Schiffsbewegungen in einzelnen Monaten des Jahres 2007:

Monat Talfahrt Bergfahrt
März 33 26
April 419 441
Mai 1111 1101
Juni 1076 1087
Juli 1565 1559
August 1827 1843
September 732 717

3670 Schleusungen im August 2007 bedeuten, dass die Klappbrücke an 31 Tagen im Durchschnitt 70 bzw. 80 118 mal am Tag hochgefahren wird. Vor allem an den Sommerwochenenden heißt das Wartezeit für Schiffe und Autos. Klagen sind kaum zu hören, schon gar nicht von den Leuten auf der 4,95 Meter über dem Gewässer liegenden Fußgängerbrücke, weil dieser technische Vorgang immer wieder fasziniert. Damit es auch so bleibt, dies sei angemerkt, braucht dieses Bauwerk - obwohl es „nur“ von der Sport-, Freizeit- und Ausflugsschifffahrt genutzt wird - recht bald eine denkmalgerechte Verjüngungskur. Schließlich gehört die Schleuse Neue Mühle zu den ältesten Schleusenbauwerken im Osten Deutschlands.

Bevor die Reise über Krimmicksee, Krüpelsee und Dolgensee nach Prieros und zu den Storkower und Teupitzer Gewässern weitergeht, sei darauf hingewiesen, dass südlich der Schleuse eine Bootsschleppe für „muskelbetriebene“ Fahrzeuge existiert, die auch außerhalb der Schleusenbetriebszeiten genutzt werden kann.

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km 9,52 bis km 10,29 Die Staabe

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km 10,20 Neue Mühle,Strandbad Staabe

Für ganze 480 Meter wurde der Dahme von Schleuse Neue Mühle bis Anfang Krimmicksee irgendwann der Name Staabe „verpasst“, mitunter auch nur mit einem „a“ geschrieben. Obwohl dort jährlich eine Staabe-Regatta stattfindet und es obendrein noch einen Heimatverein gibt, kann keiner die Herkunft dieses Namens erklären. Auch Fontane nicht.

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km 10,20 bis km 11,40 Idylle am Krimmicksee

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km 10,50 Senzig, Seebrücke

Ziemlich genau dort, wo auf der Südseite die von allen guten Geistern und Investoren verlassene Ausflugsgaststätte „Seebrücke Senzig“ nach Wiederbelebung schreit, wo Krimmicksee und Krüpelsee so einträchtig zueinander finden, ringt am nördlichen Ufer der Heimatverein Zernsdorf seit zehn Jahren um den Erhalt des (inzwischen unter Denkmalschutz gestellten) Wasserturms.

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km 11,40 Zernsdorf, Wasserturm

Das 31,95 Meter hohe Bauwerk aus den Jahren 1907/08 ist letztes Zeugnis der Industriegeschichte Zernsdorfs. Es gehörte zu den Anlagen der 1898 gegründeten Holzimprägnieranstalt „Von Hülsberg & Co”, in der Holzschwellen für den Eisenbahnbau durch ein spezielles Verfahren mit Teeröl gegen Schädlingsbefall getränkt wurden. Betrieben wurde das Schwellenwerk Zernsdorf im Laufe eines guten Jahrhunderts dann von der Preußischen Staatseisenbahn, der Deutschen Reichsbahn und schließlich der Deutschen Bundesbahn. 1995 wurde das Werk geschlossen. Eine Zukunft ist für das Gelände wohl nicht in Sicht, weil, dies kommt erschwerend hinzu, der Boden ringsherum kontaminiert ist. Zu hoffen ist, dass die Deutsche Bahn wenigstens Respekt vor diesem einhundertjährigen Wasserturm hat und dem weiteren Verfall bald Einhalt gebietet.

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km 13,60 Abzweigung Zernsdorfer Lanke

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km 13,60 Rundfahrten mit Fritze

Für den märkischen Wasser-Wanderer blieben damals auf der Dahme „die Landschaftsbilder dieselben und wechselten erst, als wir, bei Dorf Kablow, aus der bis dahin befahrenen Seenkette der wendischen Spree in diese selbst gelangten. Nicht viel breiter als ein Torfgraben, zieht sie hier die Grenze zwischen dem Teltowschen und dem Beeskow-Storkowschen Kreis, bis sie, nach einer Wegstrecke von kaum einer Meile, bei dem Dorfe Gussow abermals zu einem See sich breitet, dem Dolgensee“.

Na ja, für derartige Beschreibungen brauchte es diese Schiffsreise nicht. Fontane ist da wohl mehr mit dem Finger auf der Landkarte gewesen, der „bunten Rappardschen Karte“, von der er so fasziniert war. Auf einer Rundfahrt mit der altromantischen „Fritze“, auch in die Zernsdorfer Lanke hinein, hätte die Gegend mehr Gesicht bekommen.

Von Kablow bis Gussow km 14,50 bis km 20,70
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Autoren wie Henryk Bereska, Elfriede Brüning, Katja Lange-Müller, Alfred Matusche, Eberhard Panitz, die sich hierher zurückgezogen haben, schufen genauere Bilder. Günter De Bruyn gehört dazu: „Monoton ist diese Landschaft nur für den Durchreisenden, weil diesem der Zustand, in dem er sie zufällig erlebt, der bleibende scheint. Für ihre Einwohner dagegen ist sie durch den Wechsel von Wetter und Jahreszeiten immer lebendig.“

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km 20,75 bis km 23,33 Dolgensee

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es sich bei der vom Außenbezirk Kummersdorf des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin (WSA) beaufsichtigten Dahme-Wasserstraße um ursprünglich natürlich vernetzte Gewässer handelt, bestehend aus dem Fluss Dahme, ihren Fluss-Seen und zahlreichen Landseen. Aus den natürlichen, die Seen verbindende und der Dahme zustrebenden Wasserläufe, wurden infolge wasserbaulicher Eingriffe Kanäle, die eine durchgehende Befahrung der Gewässer ermöglichten sowie der Regulierung der Wasserstände dienten. Durch gezielte Speicherung oder Abgabe von Wasser oberhalb des Stauwerkes Neue Mühle wurde es möglich, den Wasserabfluss in Berlin über den Langen See zu steuern.

In der Auflistung der Königlichen Regierung in Potsdam über die „Märkischen Wasserstraßen“ aus dem Jahre 1901 findet sich bei km 23,68 der Eintrag „Dolgenbrodt Fähre“. Geblieben ist die Straße mit dem Namen „Fährweg“ und ein „Restaurant Fährhaus Dolgenbrodt“ – ohne Fähre. Mitunter gab es Überlegungen, wieder eine Handfähre in Dienst zu stellen. Mit dieser Romantik wird es nichts mehr werden, da seit 28. April 2007 eine Rad- und Gehweg-Brücke die Dahme zwischen Dolgenbrodt und Friedrichsbauhof überquert.

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km 23,68 Brücke Dolgenbrodt

Das Pylon-Fundament besteht aus zwei quadratischen Sockeln und einer ein Meter starken Pfahlkopfplatte. Acht Bohrpfähle mit einem Durchmesser von je 90 Zentimetern ragen neun Meter tief in die Erde, um die Brückenkonstruktion - mit asymmetrischen Schrägseilen - zu halten. Die Brücke ist 210 Meter lang und 2,60 Meter breit. Der Pylon ist 21 Meter hoch. In den Bau wurden 1,4 Millionen Euro investiert.

Hinter Dolgenbrodt geht die zur Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes gehörende „Dahme-Wasserstraße (DaW)“ ihrem Ende entgegen. Bei km 24,90 kommt die „Abzweigung der Storkower Gewässer“, bei km 26,00 die „Abzweigung der Teupitzer Gewässer“. Dort liegt Prieros und die Dahme wird zur „Landeswasserstraße Brandenburg“.

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km 26,00 Prieros Landeswasserstraße Dahme

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km 26,00 Links weiter die Dahme aufwärts, geradeaus zu den Teupitzer Gewässern

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km 26,9 Schleuse Prieros

Theodor Fontane, der doch im Juli 1874 „bis zu den See- und Quellgebieten der ‚wendischen Spree’ vordringen“ wollte, nahm in Prieros den Wasserweg nach Teupitz. Er ist uns etwas schuldig geblieben.